Selbstmord - ja oder nein?

11. Februar 2002, 14:47
posten

Marlene-Experte Sudendorff: "Das ist natürlich möglich, man kann es nicht ausschließen"

Paris - Marlene Dietrich hat nach Überzeugung ihrer langjährigen Pariser Freundin Norma Bosquet im Alter von 90 Jahren höchstwahrscheinlich Selbstmord begangen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie an einer Überdosis Schlaftabletten starb", sagte Bosquet am Mittwoch in Paris. Die 76-jährige Amerikanerin hatte die Diva in den letzten Jahren bis zu ihrem Tod am 6. Mai 1992 gepflegt und jeden Tag in ihrer Pariser Wohnung besucht.

Um keinen Preis in ein Pflegeheim

Laut Norma Bosquet erlitt Dietrich zwei Tage vor ihrem Tod einen zweiten Schlaganfall. "Danach konnte sie nicht mehr in ihrer Wohnung bleiben und hätte in ein Pflegeheim gemusst", sagte die 76-Jährige, die zunächst als Sekretärin der Dietrich arbeitete und später zu einer Freundin wurde. "Sie wollte um keinen Preis in ein solches Heim." In jenen Tagen habe die Dietrich sie darum gebeten, ihr eine Packung Schlaftabletten in Griffnähe neben ihr Bett zu stellen.

Eine Obduktin fand nie statt

Am Tage ihres Todes sei sie mit dem Dietrich-Enkel Peter Riva im Rathaus gewesen, um die Verlegung in ein Pflegeheim vorzubereiten. "Dort erreichte uns die Nachricht von Marlenes Tod. Als ich ihre Wohnung betrat, war die Packung mit den Schlaftabletten verschwunden. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sie die genommen hat." Eine Obduktion der Leiche habe es nicht gegeben. Als Marlene Dietrich starb, war in der Wohnung laut Norma Bosquet nur eine Haushaltshilfe zugegen.

Die Dietrich war nach einem Oberschenkelhalsbruch 1980 bettlägrig und lebte in den zwölf Jahren bis zu ihrem Tod abgeschottet von der Öffentlichkeit. In dieser Zeit hatte kaum jemand so engen direkten Kontakt zu der Diva wie Norma Bosquet.

Sudendorff: "Möglich ist es"

Der Leiter der Marlene-Dietrich-Abteilung im Film-Museum Berlin, Werner Sudendorf, schloss nicht aus, dass die Selbstmord-These zutrifft. "Das ist natürlich möglich, man kann es nicht ausschließen", sagte Sudendorf, der im Herbst eine Dietrich-Biografie veröffentlicht hat, auf Anfrage. Gerade angesichts des Charakters der Film-Diva sei eine solche Tat denkbar. "Beweisen lässt sich das allerdings nicht, niemand hat wirklich gesehen, dass sie die Tabletten genommen hat." (APA)

Share if you care.