Nottingham Forest

9. Februar 2002, 16:03
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Berg- und Talfahrtsexperten

Eine Gruppe begnadeter Hockeyspieler, sogenannte "shinney players", die sich keineswegs durch rücksichtsvolles Verhalten ihren Konkurrenten gegenüber auszeichneten, entdeckte im Jahre 1865 die Liebe zum Fußball. Nach einem ersten Vergleich mit Notts County wurde wenig später der Nottingham Forest Football Club gegründet. Ein Dutzend roter Kappen samt Quasten wurde angeschafft. Stolz präsentierte man sich in den "Garibaldi-roten" Dressen, auch "redshirts" genannt (nach dem Anführer italienischer Freiheitskämpfer benannt).

Das erste Spiel mit der Pfeife

Forest war in manchen Belangen immer einen Sprung voraus. Außen getragene Schienbeinschützer wurden eingeführt, der Schiedrichter trat im Spiel gegen Sheffield Norfolk (1878), völlig unerwartet und zum ersten Mal in England überhaupt, mit einer Pfeife auf und eine klassische, bis in die 60er Jahre aktuelle Formation, bestehend aus einem Torhüter, zwei Verteidigern, drei defensiven Mittelfeldspielern und fünf Stürmern, wurde ausgedacht.

Im Jahre 1892 wurde ein erster Höhepunkt erreicht, der Gewinn der "Football Alliance" ebnete den Weg zum Aufstieg in die "Football League" Sechs Jahre danach holte Forest vor 62.000 Zuschauern im Stadion von Crystal Palace den begehrten FA-Cup. Derby County unterlag mit 1:3.

Sportliche Talfahrt

Noch vor der Jahrhundertwende fand man eine geeignete Spielstätte, nach Rennplatz und Schlosswiese erzielte der "City Ground" hohe Akzeptanz unter der Zuschauerschaft. Bis zum ersten Weltkrieg kämpfte Nottingham Forest zumeist ums sportliche Überleben, fand man sich gewöhnlich in den wenig begehrten unteren Rängen der "Second Division". Ironischer Weise löste der Krieg das Finanzproblem, der kostenintensive Spielbetrieb der Liga wurde ausgesetzt, die Matches regionalisiert.

In der Zwischenkriegszeit blieben zwar die Erfolge aus, nicht jedoch die treuen Fans. Die Mitglieder des Vereinskomitees schöpften die Gewinne zufrieden ab, der Bankrott konnte nur mit Mühe verhindert werden.

Aufbruchsstimmung

Dem Nachkriegs-Optimismus folgte der Abstieg in die dritte Liga. Lange Jahre in einem unbemerkten Schattendasein standen an, bis sich 1966 Euphorie breit machte. Immerhin sah es lange danach aus, als könnte Forest das begehrte Double gewinnen. Das Team um John Barnwell (das Hirn der Mannschaft) Ian Storey-Moore (21 Tore) und "Zigger Zagger" Joe Baker (16) wurde schließlich Vizemeister. Große Erfolge vor Augen, ging es in der folgenden Saison wieder zügig bergab, Verletzungspech, Unvermögen, schlechtes Management galten als Gründe.

Die goldenen Jahre der "Clough-Ära"

Es war genug, nun sollte alles anders werden. Die goldenen Jahre brachen an. In der "Clough-Ära" (unter Coach Jimmy Gordon und Assistant Manager Peter Taylor) begann 1976 der große Aufschwung. Zwei Jahre später ging die Titelhamsterei so richtig los, Meisterschaft, Liga-Cup (1978, 79, 89, 90), FA-Cup und der Europacup (1979 und 1980) wurden von Forest dominiert.

Die Katastrophe

Zu einem traurigen Höhepunkt avancierte das Semifinal-Spiel des FA-Cups gegen Liverpool im Hillsborough-Stadion zu Sheffield 1989. Im schlimmsten Stadionunglück der britischen Geschichte kamen 96 Menschen ums Leben.

Mit dem Ende der Partnerschaft zwischen Clough und Taylor (1993) war auch das "große Abenteuer" vorbei. Nach dem Viertelfinal-Aus im UEFA-Cup 1996 war klar, dass der Verein einer ernsten Krise entgegensteuert, das Defizit stieg auf beträchtliche 11 Millionen Pfund an. Seit dem befindet sich der Klub konstant im unteren Drittel der ersten Division, die wöchentlich rapide zunehmenden Schulden lassen auf eine ungewisse, höchst kritische Zukunft schließen. (hon)

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