Lindners kolportiertes Führungsteam schimmert tief blau

11. Jänner 2002, 14:16
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Seledec, Lorenz, Draxler, Prantner

Je länger das Hearing, desto besser die Chancen: So erklärt die bürgerliche ORF-Stiftungsrätin Helga Rabl-Stadler, dass Monika Lindner (57) gleich eine Stunde und neun Minuten gehört wird. "Grade dass sie nicht gefragt wurde, warum sie eine Frau ist", fasst Karl Krammer vom "Freundeskreis" der SP-Stiftungsräte den Auftritt zusammen.

Krammers Fraktion hat sich schon lange davor auf den amtierenden ORF-General Gerhard Weis eingeschworen. Neun von 35 Stiftungsräte werden der SPÖ zugeordnet.

Lindner erhielt 22 von 35 Stimmen und wird ihren Dienst mit Wirkung vom 1. Jänner 2002 antreten. Nach Informationen aus dem Stiftungsrat votierten die ÖVP- und FPÖ-nahen Mitglieder des Gremiums für die niederösterreichische Landesintendantin.

Die Zustimmung freiheitlicher Stiftungsräte dürfte Lindner vor allem dem Team verdanken. Übereinstimmenden Quellen zufolge dürfte sie vorschlagen:

  • Informationsdirektor: Walter Seledec, derzeit Chef vom Dienst bei der "ZiB", der FPÖ zugeordnet. Er hat einige dunkle Flecken auf der Weste: Der Brigadier produzierte ein Auftragsvideo fürs Bundesheer und platzierte es im ORF-Hauptabendprogramm, kaufte Bundesheerwaffen zu Billigst- preisen, rückte zuletzt zwanzig Minuten FP-Pressekonferenz in die "Mittags-ZiB".
  • Programmdirektor: Wolfgang Lorenz, derzeit oberster ORF-Programmplaner und bürgerlich. War Freitag auch zum Generalshearing geladen.
  • Radiodirektor: Gerhard Draxler, derzeit Landesintendant in Kärnten. Unter seiner Verantwortung ging zuletzt das Selbstinterview von Jörg Haider auf Sendung.
  • Wieder einführen soll Lindner einen Generalsekretär und zugleich Personalchef. Als Kandidat für den Job gilt Pressesprecher Thomas Prantner. Allerdings kursiert auch eine zweite Variante für Prantner - er habe gute Chancen, Ö3-Chef zu werden.

    Unklar blieb zunächst, ob der bisher den Sozialdemokraten zugeordnete Kaufmännische Direktor Alexander Wrabetz seine Funktion behält. Generalsbewerber Günther Ziesel solle steirischer Landesintendant werden, hieß es.

    APA-Chef Wolfgang Vyslozil spielte wohl auch auf politische Forderungen zum Team an, als er vor dem Hearing erklärte: "Das politische Interesse dieser Regierung war manifest." Seledec wurde dem Vernehmen nach auch Vyslozil von Regierungsseite als Bedingung für die Wahl genannt. Der APA-Geschäftsführer über den vermeintlich "entparteipolitisierten" neuen ORF-Stiftungsrat: "Es gab die klare politische Zielsetzung, Weis abzuwählen." (Harald Fidler/DER STANDARD; Print-Ausgabe 22./23. Dezember 2001)

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