Hilfsorganisationen: Österreicher sind vorbildliche Spender

21. Dezember 2001, 07:28
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Trend nimmt von Jahr zu Jahr zu

Wien - Das Erdbeben in Salvador, Terror in den USA und der Krieg in Afghanistan: Die Hilforganisationen waren in diesem Jahr im Einsatz. Aber auch in Österreich gab es zahlreiche Aktionen, die tatkräftig unterstützt wurden. Denn dabei sind sich die heimischen Organisationen einig: Die Österreicher sind vorbildliche Spender. Und dieser Trend nimmt von Jahr zu Jahr zu.

"Die Österreicher liegen bei der Spendenfreudigkeit an der absoluten Spitze", sagte Wolfgang Kopetzky, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) im Gespräch mit der APA. "Man braucht sich ja nur die Aktion 'Nachbar in Not' anschauen." Diese Spendenfreudigkeit hänge auch sehr stark von der medialen Berichterstattung ab, meinte Kopetzky. "Nach dem 11. September kamen zahlreiche Leute zu uns und wollten unbedingt Blut spenden", erklärte der ÖRK-Mitarbeiter. Auch Weihnachten löse jedes Jahr einen richtigen Boom aus. "Wir können jedes Mal einen neuen Rekord verzeichnen", so Kopetzky.

Ausnahmesituationen

Dieses Phänomen konnte auch Andreas Plöckinger, Leiter der Spendenabteilung von Ärzte ohne Grenzen, verzeichnen: "Die Zeiten, wo die Leute mehr Geld hergeben, sind von so genannten Ausnahmesituationen geprägt." Der Krieg in Afghanistan sei z.B. eine solche Situation gewesen. Kopetzky meinte dazu: "Zudem spenden die Menschen lieber, wenn sie sich bei einem Thema persönlich angesprochen fühlen." Über einen momentanen Zwischenstand der Spendengelder für das Jahr 2001 wollten weder Caritas, noch Rotes Kreuz oder Ärzte ohne Grenzen Auskunft geben. Der einheitliche Tenor hieß: "Für Spenden ist die Weihnachtszeit noch eine zu wichtige Zeit, um vorläufige Ergebnisse für 2001 präsentieren zu können."

Neben der Hilfe durch Gelder nahm in diesem Jahr auch die Hilfe durch Freiwilligenarbeit zu. "Der Einsatz war sehr vorbildlich", erklärte Kopetzky. Allein beim Roten Kreuz gab es 38.000 Freiwillige, die zwölf Millionen Stunden im Dienst waren. Bei diesen Helfern seien die Altersgruppen unter 25 und über 40 Jahren sehr aktiv. "Da haben viele keine beruflichen oder familiären Verpflichtungen", sagte Kopetzky.

Ärzte ohne Grenzen

Auch bei den Ärzten ohne Grenzen sei man für das Interesse der Freiwilligen dankbar. "60 Prozent unserer Leute sind medizinisches und paramedizinisches Personal, 40 Prozent sind Logistiker, die Aufgaben wie Abrechnungen oder Transporte erledigen", sagte Plöckinger. "Z.B. fuhr jetzt als erster Österreicher eine 63-jährige Krankenschwester nach dem 11. September nach Afghanistan", so der Mitarbeiter.

Bei der Auswahl der Leute bei Ärzte ohne Grenzen werde zunächst geschaut, welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen sie haben und wie lange jemand aus Österreich weg könne. Zeit und Erfahrung seien dabei extrem wichtige Faktoren, sagte Plöckinger. "Durchschnittlich sind die Freiwilligen bei uns sechs Monate im Einsatz. Und da ist z.B. der Arzt nicht primär ein Arzt, sondern hat auch andere Aufgaben wie die Koordination", erklärte der Leiter.

Mehr Belastung durch Postzeitungstarif

Ein großes Problem wird für die Hilfsorganisationen ab Jänner die drastische Erhöhung der Posttarife für den Zeitungsversand sein. "Die neuen Posttarife sind eine Bedrohnis der Sonderklasse", kommentierte Wolfgang Kopetzky, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), die Änderung. "Durch diese Belastung wird es für noch schwieriger", meinte auch Gabriela Sonnleitner von der Caritas.

"Da bei uns viele Leute keinen Dauerauftrag erteilen wollen, wird der Versand von Zahlscheinen in der Zukunft sehr teuer", so Andreas Plöckinger, Leiter der Spendenabteilung von Ärzte ohne Grenzen. "Aber auf die Straße gehen und die Leute ansprechen wollen wir nicht", lässt der Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter wissen. Dieser Meinung schlossen sich auch Caritas und ÖRK an.

Neue Chance Internet

Deswegen sehen die drei Organisationen im Medium Internet eine neue Chance der Informationsverbreitung. "Leider ist das Online-Spenden bei uns in Österreich noch nicht so ein Trend wie in den USA", sagte Sonnleitner. "Die Menschen haben noch eine gewisse Hemmschwelle, was die Sicherheit des Internets angeht", so Plöckinger. "Das World Wide Web ist leider noch kein Ersatz für die Printmedien", meinte Kopetzky.

Österreich sei zwar von Internetusern "durchzogen", jedoch seien gerade ältere Leute sehr spendenfreudig und diese würden noch nicht so verbreitet am Netz hängen. "Diese Menschen sind aber sehr wichtig für, weil sie Krieg miterlebt haben und wissen, was Leid bedeutet", erklärte Kopetzky.

"Die jüngeren Leute sind nach unseren Informationen so genannte Wechselspender", erläuterte Plöckinger. Das sei aber ein gutes Zeichen, da man merke, dass sich die Jungen mit den Problemen in Krisengebieten sowie den Problemen in Österreich auseinander setzen. (APA)

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    montage: derstandard.at
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