Mauricio Kagel wird 70

23. Dezember 2001, 18:23
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Der produktivste der zeitgenössischen Komponisten feiert Geburtstag

Mauricio Kagel -Komponist, Regisseur, Dirigent, Pädagoge - ist einer der produktivsten zeitgenössischen Komponisten, aber nur wenige kennen sein umfangreiches Werk näher. Das mag daran liegen, dass er "neue Musik" schreibt, die gewöhnlich auf Harmonien, durchgehende Rhythmen und "schöne Melodien" verzichtet. Wenn der gebürtige Argentinier auch sein Leben lang davon absah, Stücke zu schreiben, die man mitsingen kann, so fehlt es ihm zu seinem 70. Geburtstag am 24. Dezember doch nicht an offiziellen Ehrungen.

Kagel lebt seit 1957 in Köln, "weil es sich hier sehr gut arbeiten lässt". Wie die Kölner Philharmonie in einer Würdigung zum 70. Geburtstag hervorhob, ist das Resultat des fast 50-jährigen Aufenthalts Kagels am Rhein sehr beachtlich. Er hat dort bislang an die zweihundert Werke komponiert, zudem etliche Hörspiele und Filme produziert, dazu viele Essays geschrieben, nicht nur zu musikalischen Fragen.

Überdies arbeitet Kagel als Dirigent, Librettist und Regisseur in eigener Sache, wirkte als Pädagoge und hat während seiner langjährigen Professur für Neues Musiktheater an der Kölner Musikhochschule mehrere Generationen angehender Komponisten auf ihrem künstlerischen Weg begleitet. In der Geburtstagswürdigung der Kölner Philharmonie wird das Oeuvre des Deutsch-Argentiniers als "schillernd und vielseitig" bezeichnet. "Humorvoll" könnte man hinzufügen. Der Humor des Musikers lässt sich allein aus manchen Titeln seiner Kompositionen ablesen. Auch in der Wahl seiner Instrumente lässt Kagel Humor erkennen, etwa wenn er in seiner "Phantasie für Orgel und Obligati" eine Toilettenspülung einsetzt.

"In meinen Auseinandersetzungen mit einem Teil der deutschen Musikkritik habe ich niemals vergessen, in welch guter Gesellschaft ich mich befinde", sagte er schon 1983 in einem Interview. "Satie und Mozart, Schubert und Strawinsky, Hugo Wolf und Cage, Wagner und Berlioz, Mahler, Schönberg und...Und in welcher Gesellschaft befinden sich die Rezensenten?"

Wird sich Kagel jetzt mit 70 zur Ruhe setzen? "Um Gottes willen, nein - das wäre der Tod.", sagte er wenige Tage vor seinem Geburtstag in einem dpa-Gespräch. "Solange der Kopf arbeitet, solange man Ideen und vor allem Lust hat, so lange mach' ich weiter. Der Erfindungsgeist kommt mit wachsendem Alter doch nicht zum Stillstand - im Gegenteil: er wird noch raffinierter." (apa)

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    Mauricio Kagel

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