Ludwig Adamovich, Präsident des Verfassungsgerichtshofs

18. Dezember 2001, 19:24
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Hüter des Rechtsstaats mit langer Tradition

Er ist der Tradition verpflichtet und sagt von sich selbst, "im Prinzip ein Konservativer" zu sein. Etwas anderes ist bei seiner Familiengeschichte auch schwer vorstellbar: als Nachfahre eines noch unter Maria Theresia in den Adelsstand erhobenen Slawonier-Geschlechts, als Sohn eines deklarierten Legitimisten, den Bundeskanzler Kurt Schusch- nigg 1938 als habsburgisches Gegenstück zum Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart ins letzte Zwischenkriegskabinett holte.

Eben als Sohn von Ludwig Adamovich sen., der ihm nicht nur den Vornamen vererbt hat, sondern der von 1946 bis 1955 auch Präsident des Verfassungsgerichtshofs war. Irgendwie war es da nur logisch, dass Ludwig Adamovich jun. auch "höchster Richter" der Republik werden würde. Das war 1984.

Karriere machte der "im Prinzip Konservative" unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, der den Spitzenjuristen 1976 mit der Leitung der Verfassungssektion des Bundeskanzleramtes betraute. Damals war Adamovich noch Mitglied des ÖAAB, des Arbeitnehmerflügels der Volkspartei. Vor der Nationalratswahl 1983 trat er aus, was ihn von so manchem Spitzenfunktionär der Volkspartei nie verziehen wurde. Seither steht Adamovich in bestimmten Kreisen unter "Linksverdacht".

Daran änderte auch die seit Jahren geübte Zurückhaltung des Höchstrichters in tagespolitischen Fragen nichts, die er erst jetzt im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider etwas abgelegt hat. Das ist verständlich, immerhin wurde Adamovich persönlich angegriffen und hat sich entsprechend zur Wehr gesetzt. Aber nicht nur, um das eigene Ansehen zu verteidigen.

Denn Adamovich gehört zu jenen, die mit dem "Amt" noch Haltung verbinden. Dahinter steht nicht Konservativismus, sondern das Wissen darum, dass mit den Regeln des demokratischen Rechtsstaats äußerst sensibel umzugehen ist. Rechtsprechung ist nämlich immer auch eine Frage der "appearance", der Optik, der äußeren Erscheinung, findet Adamovich und zitiert in diesem Zusammenhang gerne den Satz: "Gerechtigkeit muss nicht nur stattfinden, sondern es muss auch der äußere Eindruck entstehen." Er bekämpft daher mit Vehemenz jeden Anschein der Gefährdung der Unabhängigkeit der Rechtsprechung, wie ihm selbst seine schärfsten Kritiker zugestehen.

Adamovich wird spätestens Ende 2002 in Pension gehen, wenn er die für Höchstrichter geltende Altersgrenze von 70 Jahren erreicht hat, obwohl er wegen der jüngsten Ereignisse schon jetzt "ziemlich genug" hat. Er wird bis zum letzten Tag bleiben. Ein Adamovich lässt sich nicht aus dem Amt jagen. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19.12.2001)

Von Katharina Krawagna-Pfeifer
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