Der Weg nach oben für die Indexfonds

15. Jänner 2002, 23:31
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Aus dem prognostizierten "sicheren Weg in die Mittelmäßigkeit" wurde ein Erfolgsweg

Wien - Zugegeben: Die Idee leuchtet nicht unmittelbar ein. Als vor 25 Jahren Vanguard den ersten Indexfonds auf den Markt brachte, hagelte es hämische Kommentare von allen Seiten. "Ein Investmentfonds, der in seinem Portefeuille nur einen Index nachbildet, ist der sichere Weg zur Mittelmäßigkeit", hieß es. Und: "Ein Fonds soll doch besser sein als der Index." Stimmt. Nur trifft das meist nicht zu.

Ausführliche Untersuchungen diverser US-Investmenthäuser zeigen die überraschende Tatsache, dass 80 Prozent aller Investmentfonds mit gleichartiger Anlagestruktur schlechter als der entsprechende Index abschneiden. Woran liegt das? Frank Satterthwaite, Manager von Vanguard Investments Europe, hat eine relativ simple Erklärung: "Die Spesen fressen die Performance auf." Das bezieht sich nicht nur auf die Ankaufsspesen, sondern auch auf die laufenden Managementgebühren, Transaktionskosten, Verwaltungsspesen etc.

Im Vergleich haben Fonds, deren laufende Spesen unter 0,5 Prozent liegen, in den vergangenen 15 Jahren einen durchschnittlichen Jahresertrag von 15,5 Prozent erbracht, während bei einer Spesenrate von einem bis 1,5 Prozent der Jahresertrag auf 13,4 Prozent, bei noch höheren Spesen sogar auf 10,6 Prozent zurückfiel. Vanguard versucht, genau diesen Kostenfaktor möglichst niedrig zu halten.

Achten auf Spesen

Liegt die Fondsbranche im Schnitt bei 1,3 Prozent, kam Vanguard im Vorjahr mit nur 0,27 Prozent Spesenanteil aus. Das macht bei einem Fondsvermögen von fast 560 Mrd. Dollar (620,8 Mrd. Euro/ 8542 Mrd. S) den kleinen Unterschied von knapp sechs Milliarden aus, die in den Taschen der Investoren blieben. Die Vorteile des passiven Managements: weniger Handel, weniger Transaktionskosten. Es werden seltener große Positionen aufgebaut oder aufgelöst.

Inzwischen hat man auch Wege gefunden, Hedgefondsmanager, die sich bei Änderungen in Indexzusammensetzungen ein Körberlgeld machen wollten, auszubremsen: In Kontakt mit den Indexgestaltern werden schon vor der Änderung die entsprechenden Adaptierungen im Fonds vorgenommen. Erfolgsbeweis: Marktführer Vanguard konnte seit dem Start des US-500-Stock-Index-Fund 1976 das Fondsvermögen auf 91 Mrd. Dollar steigern. In Österreich werden die Vanguard-Fonds ab sofort von der Capital Bank, einer Tochter der Grazer Wechselseitigen Versicherung, vertreten.

Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Bank, rät Investoren zu einer "Core Holding"-Strategie: "Im Zentrum der Anlage sollten Indexfonds stehen, und zwar je nach Einschätzung auf den US- oder den europäischen Aktienmarkt bezogen. Daneben können aktiv gemanagte Fonds, die möglichst wenig Parallelen zum Indexfonds aufweisen, zusätzliche Performance bringen." (Nikolaus Dolenz, Der Standard, Printausgabe, 17.12.01)

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