Bob Geldofs' Shakespeare-Tragödie

14. Dezember 2001, 11:40
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"Sex, Age & Death" - Eine intime Platte voll Melancholie und Weltschmerz

Hamburg - Es war wie in einer Shakespeare-Tragödie. So beschreibt Bob Geldof sein Leben in den letzten Jahren. Seine Frau, die skandalumwitterte TV-Moderatorin Paula Yates, verließ ihn wegen des INXS-Sängers Michael Hutchence. Dieser erhängte sich 1997 in einem Hotelzimmer in Sydney, im September 2000 starb Yates an einer Überdosis Drogen. Geldof hat lange Jahre nicht über diese schmerzvolle Zeit geredet, in der er vom Musiker und legendären Spendensammler ("Live Aid") zum "bekanntesten gehörnten Mann des Landes" wurde ("The Guardian"). Nun spricht "Sir Bob" erstmals auf einem Album über das "Unaussprechliche", wie er es selbst nennt.

Musikalisches Tagebuch

"Sex, Age & Death" ist eine intime Platte geworden, voller Melancholie und Weltschmerz, mal ein bisschen Pink Floyd, mal ein bisschen John Lennon. "Warum eine Schlinge um deinen Hals legen", singt Geldof in "Inside Your Head" und meint Hutchence - dieser habe doch alles gehabt, ist der Tenor. Auch Ärger und Trauer über die Trennung von Paula Yates sind spürbar. Es ist eine Art musikalisches Tagebuch. "Ich höre mir das Album nicht an, weil es so zutreffend und roh ist", sagt Geldof selbst.

Äußerlich unterscheidet diesen Endvierziger, der dort auf dem Sofa in einem Hamburger Hotel umherrutscht und an einer billigen Zigarre saugt, nicht viel von dem politischen Aktivisten aus den 80er Jahren: Die dunklen Haare sehen aus wie mit der Nagelschere geschnitten, und er sieht ein bisschen ungeduscht aus. Aber "Sir Bob" kann charmant sein - ein Frauentyp, der selbst ältere Damen verlegen kichern lässt und der vor Energie strotzt, sei es als Musiker oder als Geschäftsmann.

Davon blieb nach der Trennung von Paula Yates nicht viel übrig. "Als sie mich verlassen hat, bin ich zusammengebrochen", erzählt er. "Ich habe immer gedacht, ein gebrochenes Herz sei eine Metapher, aber dort sitzt der Schmerz." Er verschanzte sich in seinem Haus in London. Von den Ärzten bekam Geldof Beta-Blocker, nicht einmal Musik hören mochte er, vor der Haustür lauerten 40 Fotografen und eine Öffentlichkeit, die wissen wollte, wie sich der Verlassene fühlt. Aber: "Ich konnte nicht darüber reden, weil es dafür keine Worte gab."

Frauen und Sex verschwanden aus seinem Leben. "Ich war in meiner Hilflosigkeit fast wie ein Tier", sagt Geldof, fuchtelt mit den Händen in den Schwaden des Zigarrenrauchs und erzählt in nicht wirklich druckreifen Worten von seiner sexlosen Zeit. Auf der Flucht vor der Presse habe er schließlich in Paris die französische Schauspielerin Jeanne Marine kennen gelernt, erzählt er. Diese sprach kein Englisch und kannte weder ihn, noch die Geschichten über Paula Yates und Michael Hutchence. Jeanne wurde für Geldof eine "erlösende Oase", ihr ist auch das Album gewidmet.

"Ich schwimme in Östrogen."

Mit Jeanne und vier Töchtern (drei aus der Ehe mit Yates und die kleine Tochter von Yates und Hutchence), einer Putzfrau und einer Nanny ist Geldof zu Hause von Weiblichkeit umgeben: "Sieben Frauen...", sagt er und grinst. "Ich schwimme in Östrogen." Die ganzen Klischees seien alle wahr: Im Haus Geldof wird ums Badezimmer gekämpft, um Lippenstifte gestritten und dauertelefoniert. Furchtbar peinlich sei es seinen Töchtern, dass die Live-Aid-Hungerhilfe und die Benefizkampagnen des Vaters mittlerweile Schulstoff sind. Wird es ein zweites Live Aid geben? Wahrscheinlich schon, meint Geldof, der immer noch politisch engagiert ist und sich beispielsweise mit Tony Blair austauscht, "aber ich werde es nicht machen". (APA)

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