Margaret Mead: Geschlecht ist eine kulturelle Kategorie

22. Jänner 2002, 22:13
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Zum 100. Geburtstag der amerikanischen Ethnologin und Anthropologin

"Ich habe den größten Teil meines Lebens damit verbracht, die Lebensgewohnheiten anderer Völker zu studieren, Völker aus fernen Ländern, damit meine Landsleute sich selbst vielleicht besser verstehen", schreibt die bekannte Anthropologin und Ethnologin in ihrer Autobiografie.

Frauenvorbilder

Möglicherweise ist es zwei Frauen zu verdanken - ihrer Großmutter, einer Kinderpsychologin und ihrer Mutter, einer Feministin und Soziologin, dass Margaret Mead Anthropologie, Ethnologie und Psychologie an der Columbia University studierte. Denn eigentlich wollte sie Malerin werden. Das Vorbild der mütterlichen Linie lehrte sie zudem Selbständigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber dem "Fremden".

"Mann und Weib"

Ihr bekanntestes Buch "Male and Female. A Study of Sexes in a Changing World" ("Mann und Weib. Das Verhältnis der Geschlechter in einer sich wandelnden Welt", 1958) erschien 1949 und galt zu dieser Zeit als revolutionär. Darin belegt sie anhand von Studien, dass den Geschlechtern in jeder Gesellschaftsformation bestimmte Merkmale und Attribute zugeschrieben werden, die wertend und hierachisierend sind. Womit sie die allgemein herrschende Vorstellung von der Naturgegebenheit weiblicher und männlicher Eigenschaften widerlegen konnte. Und damit der besonders in der Nachkriegszeit allgegenwärtigen Theorie der Genetik eine Abfuhr erteilen.

Forschungsreisen

Schon 1925 reiste sie alleine nach Samoa. Auf ihren Forschungsreisen im Jahr 1931 nach Arapese, Tchambuli und Mundugumor auf Neuguinea beschäftigte sich Mead primär mit der Rolle der Kultur bei der Ausprägung von sozialen Rollen, insbesondere jener von "Weiblichkeit" und "Männlichkeit". Die von ihr untersuchten Völker entsprachen in keinster Weise den biologistischen Zuordnungen von dem, was in der westlichen Welt als typisch "weiblich" und "männlich" gilt/galt.

Die nach kürzester Zeit weltberühmte Universitätsprofessorin erforschte insgesamt sieben Südseekulturen, wurde durch mehrere Ehrendoktorate gewürdigt und verfasste über vierzig Bücher. Außerdem war sie dreimal verheiratet und Mutter einer Tochter.

Margaret Mead starb am 15. November 1978 in New York. (dabu)

16.12.1901 – 15.11.1978

Buchtipp:
Margaret Mead:
Male and Female
Perennial, HarperCollins
EUR 18,17
ISBN 0060934964
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