SK Hakoah Wien

9. Februar 2002, 16:16
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Von den Fans verehrt, von den Nazis ausgelöscht

Wien - „Wann die g’winnen, gibt’s an Pogrom“ hieß es in den zwanziger Jahren auf den Tribünen mancher Wiener Fußballklubs, nicht willkommener Gast war zu dieser Zeit der jüdische Konkurrent SK Hakoah Wien. Hakoah bedeutet im Hebräischen Kraft und genau diese wollte der Klub demonstrieren, um das Vorurteil vom körperlich unterlegenen Juden ad absurdum zu führen. Das Vorhaben gelang: Der Verein wurde 1909 gegründet, stieg 1920 erstmals in die oberste Spielklasse auf, gewann 1923 als erster heimischer Klub auswärts gegen ein englisches Team (Westham) und durfte bereits nach der Saison 1924/25 den ersten und zugleich letzten Meistertitel in der Klubgeschichte sein Eigen nennen.

Im Herzen der Mannschaft: Bela Guttmann

Im Mittelpunkt und –feld des Meisters stand der Ungar Bela Guttmann, der als begnadeter Techniker galt, den Verein jedoch während einer Tournee durch die USA verließ, als er ein Angebot von den New York Giants erhielt. Dass das spielerische Niveau in seiner neuen Heimat mit jenem in Mitteleuropa nicht zu vergleichen war, interessierte ihn herzlich wenig, er verstand den Sport eher als unterhaltsamen Wanderzirkus.

Sein Ex-Klub konnte indes nicht mehr an den gezeigten Erfolg anschließen. Was auf dem Meistertitel folgte waren Auf- und Abstiege sowie bestenfalls Platzierungen im untersten Tabellendrittel. Welche Auswirkungen diese enttäuschenden Ergebnisse hatten, war 1928 in der ‚Neuen Welt’ nachzulesen: "In jüdischen Kreisen, weit über Wien hinaus, herrschen Bestürzung und Aufregung ... Der jüdische Sportklub Hakoah hat in der heurigen Fußballsaison viele Spiele verloren und ist aus der Meisterklasse gestrichen worden. Und wie seinerzeit der Aufstieg dieses Klubs als ein großer jüdischer Sieg gefeiert wurde, wird heute sein Abstieg als eine jüdische Niederlage beklagt."

Auflösung unter den Nazis

Der Übergang zum NS-Regime besiegelte dann letztendlich das Schicksal des Vereins: Da es den ‚arischen’ Sportlern nicht mehr zugemutet werden konnte gegen jüdische Spieler anzutreten, wurde die Sportanlage des Klubs arisiert, der Verein aufgelöst und während der Meisterschaft aus sämtlichen Tabellen gestrichen. Ein vorzeitiges Ende, dem die Wiener Austria – ebenso unter jüdischer Führung – nur knapp entronnen ist.

In der Saison 2001/2002 sorgt ein anderer jüdischer Klub im Wiener Fußball für ein wenig Furore: Maccabi Wien ist in der Unterliga 2. Klasse-B seit fünf Spielen ungeschlagen. Dort werkt ein gewisser Attila Sekerlioglu als Co-Trainer und hin und wieder wird auch ein Eckball direkt verwandelt. (fiba)

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