"Klein, sehr klein!"

6. Dezember 2001, 17:04
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"Klein Records" besteht seit fünf Jahren. "Sincerly Yours" präsentiert Bisheriges und Zukünftiges

Den Versuchen, mittels "Initiativen" heimische Pop-Musik ins Radio zu zwingen, gewinnen Christian Candid und Rainer Klang wenig ab. Zwar sind sie zu höflich, um die richtigen Worte für derlei Bemühungen finden zu wollen, doch ihre Reaktionen auf eine diesbezügliche Frage zeigen, wie weit solche Versuche an der Realität vorbeizielen. Und die beiden müssen es wissen, betreiben sie doch das 1996 von Candid gegründete Wiener Label Klein Records. Der Name ist Programm. Candid: "Wir halten das Label bewußt überschaubar. Das gewährleistet, dass man sich seinen Artists umfassend widmen kann, und zeigt gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krise, dass es besser ist, sich keiner zu großen Strukturen zu bedienen."

Klein Records ist die Heimat der Sofa Surfers und das Feedback, auf deren ersten Veröffentlichung ließ Candid den "Sprung ins kalte Wasser" wagen und das Label gründen. Candid: "Der Dorfmeister-Remix von den Sofa Surfers und Uptight-Remixe haben uns anfangs in die Nähe der international als 'Wiener Szene' wahrgenommenen Labels gebracht. Was okay war, nur relativierte sich das durch sehr eigenständige Acts wie etwa Mika. Labels wie Uptight, G-Stone und Cheap waren aber in ihrer Haltung sehr wichtig." Generell sucht Klein Records sein Heil nicht in der Quantität sondern in der Qualität seines Outputs. Klang: "Uns ist es nicht wichtig, monatlich eine Maxi zu veröffentlichen. Wir legen mehr Wert darauf, garantieren zu können, dass wir unseren Künstlern die Möglichkeit zur Entwicklung bieten können. Viele Acts haben wir sehr früh in ihrem Schaffen kennen gelernt, deshalb gelingt das recht gut."

Candid: "Prinzipiell versuchen wir einflussfrei darüber nachzudenken, wie sich ein Künstler entwickeln kann und wie wir ihn dabei unterstützen können - ohne dabei nach England und irgendwelchen Trends zu schielen." Ein besonderes Augenmerk richtet Klein Records dabei auf die Veröffentlichung ganzer Alben und deren Wahrnehmung. Candid: "Ein Album soll nicht nur im Hintergrund eines Kaffeehauses laufen, sondern etwas sein, das man sich zu Hause anhören kann. Eine Maxi präsentiert einen Künstler ja nicht umfassend, das schafft nur ein Album."

Die ästhetische Ideologie von Klein hat ihren Ursprung klarerweise in der Geschichte der beiden. Candid, 27 Jahre alt, kommt eher vom Punkrock und neigt zu raueren Sounds, während Klang, 28, Hip- Hop und Acid Jazz als wichtige Einflüsse angibt. Einig ist man sich darüber, dass Inhalte, in der Clubkultur längst Mangelware, wieder wichtiger werden, was die beiden an einer stärkeren Orientierung zu Songs und Stimmen ablesen. Diese Neigung merkt man der nun erschienen Label-Kompilation Sincerly Yours deutlich an, und die von Candid angegeben künstlerischen "Grenzposten" des Labels entsprechen dem ebenfalls: Candid: "Da gibt es Mika, die immer schon Stimmen verwendeten und den Bereich des elektronischen Pop abdecken. Dann die Sofa Surfers mit ihrem Hang zu Dub, Uko und Mum, die eher in der schwarzen Musik verwurzelt sind, während ein Act wie Seelenluft weiße Indie-Sprödheit im elektronischen Gewand repräsentiert."

"Sincerly Yours" ist sowohl Rückblick als auch Vorschau auf das Label-Werk. Klang: "Im nächsten Jahr erscheinen mehrere Alben: Das zweite von Mum und Mika und Ende Jänner die neue Sofa Surfers-CD." Letztere dürfte einige Leute überraschen, vereint sie doch die widersprüchlichsten Gastsänger, die in ihrer Gesamtheit natürlich wieder Sinn machen. Wer das aller sein wird, sei hier nicht verraten. Nur soviel: Schlecht ist anders. Ob Klein Records deshalb seinen Namen ändern muss? Man wird sehen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8./9. 12. 2001)
 Von
  Karl Fluch


  • Sincerly Yours (Klein Records - Vertrieb Black Market)
    foto: klein records

    Sincerly Yours
    (Klein Records - Vertrieb Black Market)

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