Neuer Markt: Aufschub der Penny-Stock-Regelung gefordert

7. Dezember 2001, 12:52
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Aktionärsvertreter und Fondsmanager fordern eine für alle Firmen verbindliche Rechtslage

Frankfurt - Nachdem inzwischen rund 20 am Neuen Markt gelistete Unternehmen einen Aufschub der seit Oktober geltenden Penny-Stock-Regelung erwirkt haben, fordern Aktionärsvertreter und Fondsmanager eine für alle Firmen verbindliche Rechtslage. "Das Vertrauen in den Neuen Markt kann nur dann wieder hergestellt werden, wenn eine einheitliche Rechtssituation herrscht", sagte Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Er forderte die Börse auf, ungeachtet des Ausgangs des für den 11. Dezember terminierten Berufungsverfahrens gegen die Foris AG, die geänderten Regeln generell erst ab April 2002 anzuwenden. Foris hatte im August vor Gericht einen Aufschub der Delisting-Regeln von sechs Monaten erwirkt. Die Börse legte bei Foris wie auch bei Prout und Teamwork Rechtsmittel gegen die Einstweilige Verfügung ein.

"Wegen der unterschiedlichen Regelungen an ein und demselben Marktsegment herrscht für den Anleger eine sehr unklare Situation", sagte Straub. Die uneinheitliche Rechtslage verwirre nicht nur den Investor, sondern auch mögliche Börsenkandidaten, fügte er hinzu. Straub hält es daher für sinnvoll, die Gültigkeit der Delisting-Regeln, die unter bestimmten Kriterien den Ausschluss von am Neuen Markt gelisteten Firmen vorsieht, generell auf April 2002 zu verschieben. Denn selbst wenn die Börse erfolgreich das Berufungsverfahren gegen Foris bestreite, hätte das Urteil keine bindende Wirkung für andere Firmen.

Auch Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), bewertet die gegenwärtige Situation für den Anleger als "absolut intransparent und unbefriedigend". Seiner Ansicht nach würde eine allgemeine Verschiebung der Delisting-Regeln auf April für die Börse nur dann Sinn machen, wenn das Oberlandesgericht Frankfurt eine klare Entscheidung zu Gunsten der Foris AG treffe. Denn dann hätte die Entscheidung Signalcharakter für andere betroffene Firmen. Auf längere Sicht plädiert Heise für eine einheitliche Regelung der Neuen-Markt-Richtlinien au Grund des vierten Finanzmarktförderungsgesetzes. Dann sei eine Regelwerksänderung seitens der Börse für alle am deutschen Wachstumssegment gelisteten Firmen künftig bindend.

Schädler: "Allein durch Gesetze kann die Qualität des Neuen Marktes jedoch nicht verbessert werden"

Auch Marc Schädler, Fondsmanager bei Nordinvest, befürwortet eine einheitliche Rechtslage. "Ein für alle Firmen verbindliches Datum würde sicherlich die Transparenz erhöhen", sagte Schädler. Prinzipiell sieht er die Penny-Stock-Regelung als Schritt in die richtige Richtung, um die Qualität des Wachstumssegmentes zu erhöhen. "Allein durch Gesetze kann die Qualität des Neuen Marktes jedoch nicht verbessert werden", sagte Schädler. "Die fundamentalen Daten der Unternehmen müssen Appetit auf ein Investment machen."

Um das verloren gegangene Vertrauen in das deutsche Wachstumssegment wieder zurückzugewinnen, hatte die Deutsche Börse im Sommer das Regelwerk für den Neuen Markt verschärft. Die seit Oktober geltende Neuregelung sieht vor, Firmen, deren Aktien längere Zeit unter einem Euro gehandelt werden und deren Marktkapitalisierung dauerhaft unter 20 Mill. Euro (275 Mill. S) liegt, vom Neuen Markt auszuschließen. Auch sollen insolvente Firmen vom Wachstumssegment verbannt werden.

Weitere 20 Firmen haben Aufschub von Penny-Stock erwirkt

Mitte August hatte die Foris AG gegen die Delisting-Regeln der Deutschen Börse eine einstweilige Verfügung und damit einen Aufschub der Regelung von einem halben Jahr erwirkt. Inzwischen erwirkten weitere 20 Firmen ebenfalls einen Aufschub der Penny-Stock-Regelung von mindestens sechs Monaten. Über die Anträge weiterer sechs Firmen verhandelt das Landgericht am 19. Dezember. Die Deutsche Börse hatte in der jüngsten Vergangenheit immer wieder betont, an der Umsetzung der Delisting-Regeln zum 1. Oktober festhalten zu wollen. Dabei vertrat sie die nicht von allen Beteiligten geteilte Auffassung, dass sie das Regelwerk des Neuen Marktes auf Grundlage des Börsenrechts einseitig ändern könne.

Bisher sind die insolventen Firmen Kabel New Media, Management Data, mb Software, Infomatec und Lipro vom Neuen Markt ausgeschlossen worden. Am Freitag waren nach Reuters-Berechnung 19 Firmen vom Ausschluss aus dem Wachstumssegment bedroht, weil sie die erforderlichen Grenzwerte seit mindestens 30 Handelstagen nicht erreicht haben. Davon haben neun Unternehmen einen Aufschub der Delisting-Regeln bis April 2002 erwirkt. (APA/Reuters)

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