Hypnose als Therapie für psychische Erkrankungen

7. Dezember 2001, 11:55
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Wichtige Voraussetzung ist die aktive Mitarbeit des Patienten

Frankfurt/Main - Hypnose entwickelt sich immer mehr zu einer wirkungsvollen Therapie für zahlreiche psychische Erkrankungen. Vor allem bei Angststörungen, Depressionen und psychosomatischen Leiden hilft es den Patienten, in Trance versetzt zu werden, wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde berichtet. Die Experten wehren sich gegen Vorurteile, mit der Hypnose würden die Menschen ihres freien Willens beraubt. Dies habe mit der Realität nichts zu tun.

"Unter Hypnose lassen sich Wege finden, mit unbewältigten Problemen fertig zu werden und Krankheitssymptome zu heilen", erklärt die Psychotherapeutin Agnes Kaiser-Rekkas. Trance bedeute, völlig entspannt und zugleich hoch konzentriert zu sein. Der Hypnotiseur leite dabei den Patienten an, seine Vorstellungskraft zu steigern und die Außenwelt immer weiter auszublenden. Ein Angstpatient etwa könne sich unter Hypnose in eine Zeit zurückversetzen, in der es ihm noch gut gegangen sei. Er könne Wunschvorstellungen entwickeln und Problemlösungen ausprobieren.

Aktive Mitarbeit

"Es ist wichtig, Situationen entspannt durchzuspielen, denn im Zustand der Angst oder Depression erkennt man Lösungsmöglichkeiten oft gar nicht", sagt Kaiser-Rekkas. Zwingende Voraussetzung für einen Erfolg der Behandlung ist aber die aktive Mitarbeit des Patienten, wie der Sprecher der Gesellschaft, Peter Falkai, betont. Zudem müsse die Hypnose, die meist zwischen zehn und 25 Sitzungen umfasse, immer in psychotherapeutische Gespräche oder Verhaltenstrainings eingebettet sein.

Entspannung

Hypnotisierte Menschen schlafen im übrigen keineswegs, auch wenn sie meist die Augen geschlossen haben. Ihr Hirnwellenmuster gleicht nach Angaben der Experten dem Wachzustand eines entspannten Menschen. Während der Trance dominiere die rechte Hirnhälfte, die die intensiven bildlichen Vorstellungen verursache. Die Aktivität der linken Hirnhälfte, der vor allem logische Fähigkeiten zugeschrieben würden, nehme hingegen ab. Zugleich seien unter Hypnose auch die Stresshormone reduziert.

Ausgenommen von einer Hypnosebehandlung sind Psychosen. Die Experten empfehlen interessierten Patienten, sich an eine der anerkannten Fachgesellschaften zu wenden, etwa die Deutsche Gesellschaft für Hypnose, die Deutsche Gesellschaft für ärztliche Hypnose und autogenes Training oder die Milton-Erickson-Gesellschaft für klinische Hypnose. Deren Mitglieder seien ausgebildete Psychotherapeuten mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. (APA)

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