"Wie viele Schnitzel werden serviert?"

17. Jänner 2002, 17:16
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Talfahrt oder Anpassung? Fünf Karriere-Entscheider diskutierten den aktuellen IT-Personalmarkt.

Wien - "Die Zeichen stehen voll auf Change. Wir suchen IT-Mitarbeiter, Controller, Product-Manager und Key-Account-Manager. Im Service müssen wir uns noch steigern", skizziert Gert Ahrer, Direktor der 236 Mitarbeiter starken Human-Resources-Abteilung der Telekom Austria AG, das aktuelle Szenario beim einstigen Monopolisten.

Die Latte werde seit dem Crash der Dotcom-Branche und dem damit verbundenen größeren Angebot an qualifizierten Arbeitskräften wieder höher gelegt, berichtet Peter Laggner, CEO bei Cap Gemini Ernst & Young Österreich, wo weltweit wie auch in Österreich Personalanpassungen vorgenommen worden sind: "Wir budgetieren vorsichtiger, obwohl wir im kommenden Jahr wieder zweistellige Wachstumsraten erwarten."

Von 60.000 Mitarbeitern weltweit wurden 2700 abgebaut. Während Low-Performer derzeit ebenso schlechte Aussichten haben, wie Uni-Absolventen ohne Berufserfahrung, herrsche bei dem Beratungsmulti hingegen Interesse an Generalisten und Leuten mit Nischenkompetenzen, die sofort operativ tätig werden können. - Und bleiben.

"Ich hoffe, dass in Zukunft Kandidaten nicht alle zwei Jahre einem neuen Karrieresprung nachlaufen", sagt Alfred Raderer, Mitglied des Vorstandes der Plaut AG, der im Gegensatz zu früher täglich zwei bis drei Initiativbewerbungen auf der unternehmenseigenen Homepage registriert.

Loyalität, so der Tenor der fünf Personalverantwortlichen, sei wieder gefragt, CVs, die auf allzu emsiges Jobhoppertum hinweisen, kommen nicht so gut an: "Wir suchen keine Personen, die die Beratungserfahrungen als "Durchlauferhitzer" für ihre Karriere betrachten. Umgekehrt wird seitens der Bewerber wieder Wert gelegt auf nachhaltige Anstellungen und betriebliche Pensionsvorsorge", stellt Laggner fest. "Uns kommt die Rezession insofern zugute, weil viele Beratungsunternehmen derzeit einen Aufnahmestopp verhängt haben und wir jetzt an die Leute herankommen, die wir brauchen", konstatiert Christian Stüger, Geschäftsführer der Frantschach Consulting. "Leute, die Spaß daran haben, fünf Tage die Woche zwölf Stunden zu arbeiten. Und zwar zum üblichen Marktpreis", präzisiert der Consultant.

Gustav Soucek, Bereichsleiter Kommunikation & Personal bei UPC Telekabel, hat beobachtet, dass die Veränderungsbereitschaft konjunkturzyklisch gebremst ist: "Die Leute überlegen derzeit viel intensiver, ehe sie den Arbeitgeber wechseln." - Zumal die Goldgräberzeit vorbei zu sein scheint: "Die Mitarbeiter der TIME-Branchen sind sehr verwöhnt. Das verhindert zum Beispiel die Erfüllung des unter Beratern nicht seltenen Wunsches, in ein internes Dienstleistungsunternehmen zu wechseln", meint Stüger.

Auch mit überhitzten Gagen - die Diskutanten des STANDARD-Roundtable-Gesprächs sprechen von 30.000 S (2180 EURO) brutto Einstiegsgehalt für 19-jährige HTL-Absolventen - scheint es vorbei zu sein: Die ersten beruflichen Sporen verdient man sich jetzt im IT-Bereich mit 20.000 S brutto (1453 EURO).

Unisono gefordert werden Mitarbeiter als Mitunternehmer: "Sie sollen Konsolidierungswillen zeigen", wünscht sich Soucek. Neben freiwilliger Selbstbeschränkung etwa bei Gehalt oder Dienstreisen. "Wir kehren der Tätigkeitsorientierung den Rücken und wenden uns der Ergebnisorientierung zu. Mich interessiert nicht mehr, wie viel Brösel für die Panier gemahlen wurden, sondern wie viele Schnitzel serviert werden", illustriert Ahrer den Wandel.

High-Performer werden auch in schwierigen Zeiten belohnt: Sie werden mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet, und bei Frantschach Consulting werden bis zu drei Prozent eines Projektbudgets als Boni für vom Kunden festgestellte Qualität an Mitarbeiter ausgeschüttet.

Apropos Kundenorientierung: Bei UPC Telekabel hat jede Führungskraft, auch der Geschäftsführer, einmal pro Quartal Callcenterdienst und rückt zusätzlich mit den Installateuren gemeinsam an die Kundenfront aus. Das schafft Marktnähe wie Motivation. Ein Beispiel innovativer Führung, das hoffentlich Schule macht! (DER STANDARD, Print-Ausgabe)
von Johanna Zugmann
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