Steirerpark oder Stadteck?

27. Februar 2002, 15:54
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Letzten Sonntag fand erstmals seit langer Zeit eine musikalisch-partymäßige Veranstaltung im obersten Stockwerk der Meierei Stadtpark statt, die zuvor dem Dr. Hübner als Privatgemach gedient hatte.

Der Eintritt war frei, Licht und Teppich waren rot, in einem abgefackten Bücherregal standen ein paar seltsame Bücher herum, es gab Musik frisch von alten Schallplatten und darüberhinaus weihnachtliche Kekserln sowie Getränke, die das ganze Jahr über Saison haben. Die Stimmung war als entspannt zu bezeichnen, man stand so rum und hatte ein bisschen so etwas wie ein Lounge-Feeling.

Fein war das, vor allem deshalb, weil derartige Veranstaltungen schon bald der Vergangenheit angehören könnten, wenn sich die Gerüchte bewahrheiten, dass die Meierei Stadtpark ­ nachdem die besitzende Gemeinde Wien Pächter Hübner rausbekommen hat ­bald zum Gourmet-Tempel umfunktioniert werden soll. Konkretes bekommt man zur Zeit freilich nirgendwo gesagt, aber der Name "Steirereck" fiel jedenfalls schon ein paar mal, und seitens des Vierhauben-Restaurants gibt man auch zu, sich die Location mal angesehen zu haben, bestreitet aber größeres Interesse. Eine besondere Würze erfährt die Fama aber freilich dahingehend, als der schon vor eineinhalb Jahren geplante Mega-Umbau des Top-Restaurants (Dachausbau auf zwei Ebenen, drei Terrassen, groß angelegte Inszenierung von Empfang bis Toilettengang) so höchstwahrscheinlich nie stattfinden wird, beziehungsweise dass bis heute im Steirereck diesbezüglich noch überhaupt nichts passiert ist.

Gut, wie auch immer, ob Steirereck oder wer anderer: Es stellt sich die Frage, ob man da am Ring tatsächlich noch ein Spitzenlokal braucht, noch dazu, wo demnächst sicher wieder mit einem Restaurant im Karl Wlascheks gerade in Renovierung befindlichen Kursalon zu rechnen ist und die Dichte an erstklassiger Gastronomie in Wien ja überhaupt schon äußerst hoch erscheint. Ganz im Gegenteil zu originellen und interessanten Club-Locations übrigens, die man an einer Hand abzählen kann, im Winter gar an einer halben.
Von Florian Holzer
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