Experiment: Sehnerv bei Ratten zum Nachwachsen gebracht

5. Dezember 2001, 20:00
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Die Sehfähigkeit kehrte tatsächlich teilweise zurück

Münster/London - Forschern der Universität Münster ist es erstmals gelungen, durchtrennte Sehnerven von Ratten bis zu 14 Millimeter nachwachsen zu lassen. Die Nerven seien bei den Experimenten unter der Leitung des Mediziners und Biologen Prof. Solon Thanos mindestens drei Mal so lang geworden wie bei Versuchen anderer Forscher, berichtet die britische Zeitschrift "New Scientist". Nach ihrer Regeneration hätten sie auch wieder normale elektrische Signale übertragen. Damit seien die Voraussetzungen für eine geringe Sehfähigkeit wieder gegeben, sagte Peter Heiduschka, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Teams.

Diese ersten Erfolge bei Säugetieren könnten möglicherweise wegweisend für die Behandlung bestimmter Arten von Blindheit sein. Forscher hoffen, dass mit einer Variante dieser Technik auch Menschen mit Rückenmarkverletzungen geholfen werden könnte. Larry Benowitz von der Harvard Medical School bestätigte den Forschern, sie hätten mit ihrer Technik eine überraschend starkes Nervenfasern-Wachstum erreicht. Ihre Originalarbeit ist im Fachjournal "Experimental Neurology" erschienen.

Den Angaben zufolge durchtrennten die Forscher in ihren Experimenten zunächst die Sehnerven von betäubten Versuchsratten. Dann nähten sie die durchschnittenen Enden wieder zusammen. Schließlich verletzten sie die Augenlinsen der Ratten, die Proteine mit dem Namen Kristallin freisetzen. Es ist bekannt, dass diese Proteine die Selbstzerstörung von Zellen verhindern. Thanos vermutet aber, dass sie auch das Nachwachsen der Nervenfasern fördern, indem Rezeptoren für Wachstum verhindernde Proteine an der Spitze des durchtrennten Nervs blockiert werden. (APA/dpa)

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