Auch Enten legen Kuckuckseier

5. Dezember 2001, 20:00
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Schellenten-Weibchen jubeln ihren Nachbarinnen gerne den eigenen Nachwuchs unter - und sind damit erfolgreich

London - Auch Enten legen Kuckuckseier. Weibchen der Schellente steigern ihren Bruterfolg erheblich, wenn sie zusätzliche Eier in die Nester anderer Artgenossinnen legen. Das berichten Matti Ahlund und Malte Andersson von der Universität Göteborg (Schweden) in der britische Fachzeitschrift "Nature".

Die Biologen hatten mehrere Jahre lang den Bruterfolg der Schellenten (Bucephala clangula) auf dem Mjörn-See in Südschweden beobachtet. Dazu markierten sie einige Weibchen und untersuchten mit Hilfe eines "Protein-Fingerabdrucks", welche Eier in den Nestern von diesen Weibchen selbst oder von anderen Artgenossinnen stammten. Drei Strategien der Entenweibchen beobachteten die Forscher dabei in etwa gleich häufig: Manche Enten legten ihre Eier nur ins eigene Nest, andere suchten ausschließlich fremde heim - und einige taten beides.

Mit Taktik zum Erfolg

Die Entenweibchen mit der Doppelstrategie waren am erfolgreichsten: sie legten im Durchschnitt 1,5 Mal so viele Eier wie die "Selbst-Brüterinnen" und doppelt so viele wie die reinen Fremdgänger. Dies liege an der Legebiologie der Enten, erläutern die Forscher: Gelege werden durch fremde Eier nicht größer, sondern nur frühzeitig auf die normale Größe aufgefüllt. Die Tiere legen ihre Eier schon früh in der Brutsaison in fremde Nester und bauen erst später ein eigenes Nest. Dadurch ist ihr Risiko, selbst "Kuckucksenteneier" untergeschoben zu bekommen, gering. Der Bruterfolg steigt deutlich.

Die Taktik der Entenweibchen kann sich durchaus von Jahr zu Jahr ändern, beobachteten Ahlund und Andersson. Möglicherweise nutzten die Schellenten die Parasiten-Strategie vor allem dann, wenn sie in ihren besten Jahren seien und gerade viele Eier legen könnten. (APA/dpa)

Vgl. "Nature" (Bd. 414, S. 600)
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