Lärm macht krank

5. Dezember 2001, 15:59
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Nicht nur einfache Belästigung: mehr als ein Viertel der EU-Bevölkerung ist einem gesundheitsgefährdenden Geräuschpegel ausgesetzt

Wien - Chronischer Lärm ist nicht nur lästig, sondern erhöht gleichzeitig auch das Risiko für verschiedene Erkrankungen, wie die des Herz-Kreislauf-Systems. Auf dieses Problem machten Experten bei einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam. Abhilfe schaffen sollen neben der Geräuschvermeidung auch ausgenützte Ruhephasen.

Befund

"Lärm stellt heute ein gravierendes Umwelt- und Gesundheitsproblem dar. In der EU sind mehr als ein Viertel der Bevölkerung einem gesundheitsgefährdenden Geräuschpegel über 65 Dezibel ausgesetzt", erklärte Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien. In Österreich fühle sich die Hälfte der Bevölkerung durch laute Geräusche belästigt oder gestört, so Hutter. Dabei stehen Verkehrs-, Freizeit und der Gewerbelärm an erster Stelle.

"Z.B. haben Untersuchungen der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, Anm.) ergeben, dass in Österreich nur 74,3 Prozent der männlichen und 66,5 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer, die Lärm ausgesetzt sind, Gehörschutz tragen", sagte Karl Körpert von der AUVA-Hauptstelle Wien. Das hieße, dass von den insgesamt 400.000 Betroffenen rund 100.000 diese Maßnahmen nicht treffen. "Das ist verglichen mit dem internationalen Anteil sehr hoch", meinte Körpert.

Vielfalt der Folgen

So vielfältig wie das Auftreten von lauten Geräuschen ist auch seine Auswirkung auf die Gesundheit des Menschen, erläuterte Hutter. "Sie reichen von direkten Schädigungen des Gehörganges und einer Erhöhung des Herzinfarktrisikos bis zu Beeinträchtigung von Befindlichkeit und Lebensqualität", sagte der Experte. "Lärm ist ein so genannter Stressor, der über komplexe Aktivierungsmechanismen das autonome Nervensystem und das Hormonsystem beeinflusst. So führt er beispielsweise zu Funktionsänderungen des Organismus und zum Spiegelanstieg von Blutfetten und Stresshormonen", erklärte Hutter.

Eine Untersuchung in diesem Jahr an Kindern im Inntal bestätigte diesen Zusammenhang zwischen Lärm und Krankheit. "Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen wurden täglich mit unter 50 Dezibel, die anderen mit über 60 Dezibel beschallt", so Hutter. Dabei seien bei der Gruppe mit über 60 Dezibel erhöhter Blutdruck, vermehrte Stresshormone und eine höhere Herzfrequenz festgestellt worden.

Bewusstsein

"Lärm ist ein Gesundheitsproblem, das sehr unterschätzt wird", meinte Hutter. Mehr Bewusstseinsbildung sei nötig. Zur Lösung dieses Problems rate der Experte die Ruhezonen und -zeiten zu erhalten. Auch sei der Schlaf des Menschen besonders zu schützen. "Dauerschall- und Maximalpegel sind nachts so zu begrenzen, dass Schlafstörungen weitgehend ausgeschlossen werden können", so Hutter. Empfohlen werden auch "SoundEar 2000" von der Firma Neuroth. Das Gerät schlägt sofort an, wenn der Geräuschpegel zu hoch ist. Auch der Gehörschutz Neuroth-Antilärm wäre eine Möglichkeit: Er filtert ganz gezielt hohe Schallfrequenzen, ohne die Kommunikation bei der Arbeit zu beeinflussen.(APA)

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