"Der Post ist der Euro keinen Schilling wert"

4. Dezember 2001, 19:11
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Aufstand am Postschalter - Vorstand drückt sich um Auszahlung der Euro-Abgeltung herum

Wien - Kaum klingt der Streit um Postämter und Personalabbau ein wenig ab, gibt es schon wieder dicke Luft in der gelben Post: Diesmal geht es um die Euroumstellung, die den Mitarbeitern in den 2300 Postämtern zu Jahreswechsel zusätzliche Arbeit beschert. "Der Post ist der Euro keinen Schilling wert", so der Vorwurf der Personalvertreter an den Vierervorstand unter Generaldirektor Anton Wais.

Anders als Geldinstitute wie die Bank Austria, die ihrem Schalterdienst pro Werktag eine Euro-Abgeltung in Höhe von 17 Euro (233,93 Schilling) auszahlen, wollten sich die Postchefs um die - zeitlich auf ein Monat begrenzte - Zulage herumdrücken. Für die Gewerkschafter kommt das nicht infrage.

5000 Bedienstete betroffen

"Bleibt die Unternehmensleitung hart, werden wir die Ausgabe der Euro-Startpakete ab 15. Dezember einfach boykottieren", droht Zentralbetriebsrat Herbert Podany. Betroffen seien rund 5000 Bedienstete.

In der Post versteht man die Aufregung nicht, denn es werde noch verhandelt. Ende der Woche soll die Entscheidung fallen, heißt es in der Pressestelle. Außerdem würden nicht alle Institute eine Eurozulage zahlen. Die Gewerkschaft, ohnehin aufgebracht, weil nächstes Jahr weitere 1100 Mitarbeiter abgebaut werden sollen, kontert: "Wenn der Vorstand glaubt, dass er nur auf Kosten der Mitarbeiter sparen kann, dann irrt er."

Der Aufsichtsrat hat am Dienstag, wie erwartet, gegen die Stimmen der Belegschaftsvertretung das - auch bei Kapitalvertretern umstrittene - Budget 2002 mit Auflagen abgesegnet. Wie der Standard exklusiv berichtete, ist es ein Sparpaket, das die Fixkosten erheblich senken und den Personalstand um 1100 Posten erleichtern soll. Der Personalaufwand soll von 67,2 Prozent im Jahr 2001 auf 65,2 Prozent des Umsatzes sinken. Der Umsatz soll von 20,77 auf 21,16 Mrd. S steigen, der Gewinn (EGT) von 472,55 auf 654,52.

Kampf im Postbus

Ein "Kolbenreiber" droht indes bei dem von der Post abgekoppelten Postbus. Wie aus der Postgewerkschaft verlautet, rüsten sich die 1600 gelben Busse zum Protest: "Falls es im Zuge des geplanten Verkaufs des Postbusses an die ÖBB zu Verschlechterungen für die 3000 Mitarbeiter kommt, wird der Postbus österreichweit stillstehen", droht Postbus-Betriebsratschef Robert Wurm. Für alle Fälle habe man beim ÖGB einen Streikantrag eingebracht. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 5.12.2001)

Luise Ungerboeck
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    montage: derstandard.at
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