Chilenischer Melancholiker

4. Dezember 2001, 12:53
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Privatdetektiv Heredia allein gegen die Multis

Privatdetektiv Heredia ist nicht unbedingt ein Optimist. Dazu besteht in Chile keinerlei Anlass. Wie schon in Engel und Einsame (Diogenes) stolpert Heredia auch diesmal wieder in eine Affäre, in die Politiker und Industrie gleichermaßen verwickelt sind. Einige große Konzerne haben eine Gaspipeline durch Argentinien und Chile geplant. Diese führt zwar durch geologisch unsicheres Gebiet, soll aber trotzdem mit minderen, billigeren Materialen gebaut werden.

Nicht nur Umweltaktivisten schwant es, dass hier wie üblich auf die Sicherheit des normalen Volkes gepfiffen wird, um sich die Taschen zu füllen. Heredia, ansonsten beileibe kein Ökofreak, geht das zu weit. Also mischt er sich ein. Einer allein gegen die Multis: Schlechte Karten hatte Heredia auch schon in Engel und Einsame, wo es um Waffenfabrikanten und ihre weit verzweigten, die Politik massiv beeinflussenden Geschäftsinteressen ging. Irgendwie überlebt der alternde Melancholiker, ein Kerl ohne Anhang und einem Kater namens Simenon. Er sieht zu, wie sein altes Wohnviertel in Santiago den Charme verliert und registriert, dass die Menschen trotz verbesserter Kommunikationsmittel immer einsamer werden. Eterovic entwickelt so ein gebrochenes Gegenbild zum machohaften Schläger: die Posen südamerikanischer Pistoleros sind ihm fremd.

Ramón Díaz Eterovic
Kater und Katzenjammer
ISBN: 3257062850
Aus dem chilenischen Spanisch von Maralde Meyer-Minnemann
öS 291,-
EURO 21,15
338 Seiten.
Diogenes, Zürich 2001
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