Er war es, der die Welt als Erster vor dem Holocaust warnte

3. Dezember 2001, 21:17
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Gerhart Riegner ist nun in Genf verstorben

Genf/Gerlingen - Gerhart Riegner, ehemaliger Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses in Genf und Verfasser des berühmten "Riegner-Telegramms" von 1942, ist am Montag in einer Genfer Klinik im Alter von 90 Jahren verstorben.

Biographie

Gerhart M. Riegner wurde am 12. September 1911 in Berlin geboren. Er studierte Jura unter anderem in Berlin und emigrierte nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 über Paris nach Genf, wo er 1936 Sekretär des Jüdischen Weltkongresses wurde. Seit 1939 leitete er das Genfer Büro, in dem er noch bis Oktober 2001 täglich anzutreffen war.

Riegner hatte die Alliierten im August 1942 erstmals über Hitlers "Endlösung der Judenfrage" informiert. Ihm wurden detaillierte Informationen über die systematische Ermordung der Juden zugespielt, die er über diplomatische Kanäle an Großbritannien und die USA weiterleitete.

Historische Schreiben

Am 8. August 1942 schickte er sein erstes Telegramm nach London und Washington. Bis zum Kriegsende ließ er nicht locker mit Zeugenberichten, Dokumenten und Hilfegesuchen. Er forderte unter anderem, Auschwitz zu bombardieren. Doch die Adressaten wollten ihm nicht glauben.

Riegner schrieb, auch der Vatikan habe in seiner offiziellen Geschichtsschreibung absichtlich ein Dokument unterschlagen. Ein Telegramm an Papst Pius XII. beweise, dass dieser schon im März 1942 von der Massenvernichtung der Juden gewusst und nichts getan habe, um sie zu stoppen.

Für Riegner war der Kampf um die Minderheitenrechte der Juden nicht zuletzt Teil des Kampfs für die Menschenrechte. In internationalen Gremien (Vereinte Nationen, UNESCO) wirkte er an der Festlegung der Menschenrechte mit. (APA/dpa)

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