Bio-Boom hält an: Mehr größere Geschäfte nötig

3. Dezember 2001, 14:25
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Bio-Fachhandel 2001 erstmals mit einer Milliarde Schilling Umsatz

Wien - In der heimische Bio-Vermarktungslandschaft gibt es noch unzählige weiße Flecken, die darauf warten, mit Naturkost-Fachgschäften ausgefüllt zu werden, sind sich der Dachverband des österreichischen Naturkost-Fachhandels (VNÖ) und dessen Geschäftsführer, Ralph Liebing, sicher. "Allein in Wien ist noch Platz für ein halbes Dutzend großflächiger Bio-Fachmärkte, auch die Landeshauptstädte sind teilweise unterversorgt", sagte Liebing am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Der Naturkost-Fachhandel in Österreich besteht derzeit aus rund 200 Bio-Läden, in denen ein Vollsortiment, bestehend aus 1.500 bis 6.000 Produkten je nach Geschäftsgröße angeboten wird. Durch den Bio-Boom der vergangenen Jahre könne der Nachfrage jedoch oft nicht entspreche werden, weil es in Österreich einen Mangel an Verkaufsflächen gebe, erläutert Liebing. Im Gegensatz zu den stagnierenden Umsätzen im Lebensmitteleinzelhandel ist im Vorjahr der Umsatz des Bio-Fachhandels um 30 Prozent auf 1 Mrd. S (72,7 Mill. Euro) gestiegen, Tendenz steigend.

Bio-Läden vergrößert werden vergrößert

Dem deutschen Beispiel folgend - München gilt bereits als Bio-Hauptstadt und hat unter anderem einen Bio-Markt mit 850 Quadratmeter Verkaufsfläche ("Basic") - sollten daher in Österreich zum einen bestehende Bio-Läden vergrößert oder neue Geschäfte errichtet werden. Als Zielgröße sieht Liebing eine Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern. Die bestehenden Strukturen, vor allem die Logistik, müsste jedoch noch deutlich verbessert werden, so der Dachverband, der sich mit Nachdruck auf die Suche nach finanzkräftigen Investoren gemacht hat.

"Bio muss in Zukunft besser verfügbar sein", betonte in diesem Zusammenhang Josef Amerstorfer vom Dachverband Bio-Landbau. Dazu soll nicht nur der von Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer angekündigte Aktionsplan für den Bio-Landbau beitragen, sondern auch das Bio-Zeichen der Agrarmarkt Austria (AMA), das mit dem neuen Slogan "Bio. Für mein Leben gern." ergänzt wurde, und hinter dem erstmals alle Bio-Verbände stehen.

"Politik wird mit dem Einkaufswagen gemacht"

Die Branche boome zwar, aber "die Politik wird mit dem Einkaufswagen gemacht", richtet sich Amerstorfer an die Adresse der Konsumenten. Und Qualität habe auch ihren Preis. Wenn es gelinge, den Bio-Anteil im Lebensmittelhandel von derzeit 2 auf 10 Prozent zu steigern, könnten die Produkte auch etwas billiger angeboten werden, gibt Amerstorfer den Weg für die Zukunft vor. "Wir wollen aber nicht diskont, sondern sehr kont sein", betonte er.

Der Naturkost-Fachhandel hat einen Umsatzanteil an der gesamten Bio-Vermarktung von 20 Prozent. Insgesamt wird unter dem Titel "Bio" den Angaben zufolge ein Umsatz von rund 4,6 Mrd. S im Jahr gemacht. Der Großteil fällt mit 3 Mrd. S auf die Bio-Schiene de BML-Konzerns "Ja. Natürlich".

Der Dachverband VNÖ veranstalte heuer erstmals zur Weihnachtszeit Aktionswochen unter dem Titel "Bio zum Fest aus dem Naturkost-Fachhandel". Dabei werden vom 3. bis 24. Dezember in 150 Fachgeschäften in ganz Österreich heimische Bio-Produkte zu Aktionspreisen angeboten. Damit wolle der VNÖ zeigen, dass es heutzutage bereits jedes nur erdenkliche Produkt auch in Bio-Qualität gibt und speziell für die kulinarischen Höhepunkte der Weihnachtszeit und des Jahreswechsels keine Wünsche offen gelassen werden, sagte Liebing. (APA)

Die Geschäftsadressen für "Bio zum Fest" können zum Ortstarif unter 0810-221314 oder auf www.vnoe.at erfragt werden
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