Ich bin der Auserwählte

30. November 2001, 19:05
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Wer auf die überaus kühne Idee kommt, vom Handynetzbetreiber A1 zu One oder max zu wechseln, muss die Erfahrung machen, dass der ehemalige Monopolist seine Kunden sehr lieb hat und Trennungen nur schwer verschmerzt.

Nur eine Kleinigkeit ist es dabei, dass die Grundgebühr vorerst weiter verrechnet wird. "Unser Computer kann das nicht anders. Wir überweisen das aber zurück", meint ein Kundendienstmitarbeiter. Kleine Kredite erhalten die Freundschaft.

Unangenehmer ist, dass die Handynummer zwar wie vereinbart zu Vertragsende gesperrt wurde, aber einige Tage danach wieder voll funktionsfähig war. Anrufer werden - nunmehr ohne Wissen des ehemaligen Inhabers der Nummer - aufgefordert, auf der Sprachbox eine Nachricht zu hinterlassen.

Der Adressat bekommt die an ihn gerichteten Nachrichten natürlich nie zu hören, ist doch seiner Meinung nach das Handy abgemeldet.

Ein Anruf beim A1-Kundendienst bringt teilweise Aufklärung: "Sie sind doch auserwählt und umgebucht worden", teilt ein Herr freudig mit. "Äh, bitte?" "Sie sind nun ein B-Free-Kunde." "Das will ich aber nicht sein." "Sie sind es aber", wird der Ton merklich strenger.

"Aber niemand hat mir was davon gesagt." "Wir haben ein SMS auf die Nummer geschickt." "Und wie soll ich das SMS bekommen? Ich hab' doch die abgemeldete Karte nicht weiter in meinem Handy?" "Aha. Aber jetzt wissen Sie es ja. Und es kostet doch nichts, Sie haben vorerst 100 Schilling Gesprächsguthaben." "Ich brauch' das nicht." "Dann schalten Sie das Handy aus." "Dann landen Anrufer auf meiner Sprachbox und glauben, ich höre die Nachrichten ab." "Dann heben Sie die Umleitung zur Box auf." "Dann sagt das Tonband, dass der Anrufer es später noch einmal versuchen soll. Das ist doch eine Pflanzerei." "So schlimm ist das auch nicht." "Sie haben Recht. Wenn man bedenkt, welches Elend in der Welt . . ." "Noch Fragen?"

"Wie lange bin ich jetzt B-Free-Kunde?" "Drei Monate. Sie können aber verlängern, wenn Sie Gesprächsguthaben kaufen." "Nach drei Monaten ist wirklich ehrlich endgültig Schluss?" "Ja - zumindest zumeist." "Wieso zumeist?" "Sie könnten mit ein bisschen Glück noch einmal auserwählt werden." (mimo, DER STANDARD, Printausgabe 1.12.2001)

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