Aktienbörsen trotzen der Umstellung des Weltindex MSCI

30. November 2001, 18:43
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Neue Streubesitzregeln lassen vorerst wenige Gewinner erkennen

Wien - Von Turbulenzen war am Freitag an der Wiener Börse wie auch an den anderen internationalen Börsen wenig zu spüren: Die in den vergangenen Tagen versprochene Hektik sollte der weltgrößte Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) auslösen, der am Freitag die erste Stufe der Umstellung seiner Indizes auf die Streubesitzmethode einleitete. Danach erhalten Unternehmen, deren Aktien zu einem großen Teil frei handelbar sind, eine höhere Gewichtung in den jeweiligen Indizes. Was die Aktienmärkte wenig beeindruckte und das Gegenteil von den ursprünglichen Erwartungen auslöste. Das veranlasste die Börsenhändler zu der Vermutung: "Vielleicht haben die Fonds schon ihre Anpassungen vorgenommen."

Wenig beeindruckt

Genauso schauten die Märkte in Australien, Hongkong, Singapur und Tokio aus: Die Verlierer der Umstellung legten zu, die Gewinner dagegen mussten Abschläge hinnehmen - auch in Wien. Ab Montag fliegen die Generali Versicherung, der Braukonzern BBAG, die AUA und der Faserhersteller Lenzing aus dem weltweiten Index. Was ihre Aktienstände nicht weiter beeindruckte. Dabei bedeutet der Rausfall aus dem Index weniger Interesse vonseiten der internationalen Fondsmanager. Einziger wahrer Gewinner in Wien ist die Voest-Alpine, die erstmals in den weltweiten MSCI aufgenommen wird. Allein: Die Aktie war am Freitag unter Druck. Die Erklärung von Aktienexperte Günther Artner von der Erste Bank: "Offensichtlich haben sich viele da schon im Vorfeld positioniert." Die Umstellung hat die gesamte Woche geprägt und für Volatilität gesorgt.

Wenig Freude am österreichischen Kapitalmarkt

Für den österreichischen Kapitalmarkt ist die MSCI-Umstellung nicht erfreulich. Vier Werte fliegen ganz raus. Bis zum zweiten Umstellungsschritt im Mai werden einige Unternehmen noch gewaltig Federn lassen müssen, etwa der Energieversorger Verbund. Derzeit hält Österreich einen Anteil von 0,08 Prozent im MSCI.

Dieser ohnehin mickrige Anteil wird bis Mai auf 0,4 bis 0,5 Prozent halbiert, schätzen Experten. Der Nachteil daran: Fondsmanager investieren vor allem in MSCI-gewichtete Titel. Der Rest ist kaum interessant. Und das wird den in den vergangenen zehn Jahren schon eingeschrumpften Umsätzen an der Wiener Börse nicht frischen Wind verleihen. (este, DER STANDARD, Printausgabe 1.12.2001) <

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