Wärme koppelt den Strom mit Stolz

30. November 2001, 21:39
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Milliardenteures Gasturbinenkraftwerk liefert jetzt Strom für 800.000 Haushalte

Wien - Seit wenigen Tagen leuchten die Glühbirnen in Wiener Wohnungen durch Strom aus der neuen Gasturbinenanlage in der Donaustadt. Und in 180.000 Haushalten ist es außerdem warm, weil aus diesem Kraftwerk auch die Fernwärme kommt. Zusammen nennt man das "Kraft-Wärme-Kopplung" (KWK), wenn im Energiegewinnungsprozess gleichzeitig die Abwärme genutzt wird. Mit dieser Technologie "spart man pro Jahr 330.000 Tonnen an umweltschädlichen Emissionen ein", hebt Helmut Kastl, Direktor der Wienstrom, hervor.

Die Wiener KWK erreicht einen Wirkungsgrad von 86 Prozent, was nach Angaben von Kastl im "weltweiten" Vergleich sehr hoch sei. Das bedeutet, dass dieser Anteil an Energie, die aus Brennstoffen gewonnen werden kann, tatsächlich erzielt wird. Die KWK ist erst jüngst heftig diskutiert worden: Die Wienstrom hebt extra einen Zuschlag dafür ein. Was seitens des Energieversorgers "als gerechtfertigt" gilt, zieht schon bald Klagen konkurrierender Stromanbieter im liberalisierten Markt nach sich.

Die Anlage in Donaustadt ist eine von drei KWK-Anlagen in Wien. Seit 1978 wird in Simmering Strom und Wärme produziert, dazu noch in Leopoldau. Daneben speisen unter anderem die Entsorgungsbetriebe Simmering und die OMV-Raffinerie Abwärme ins Leitungsnetz.

Obwohl mit dem Donaustädter Kraftwerk schon kräftig geheizt wird, drückten Bürgermeister Michael Häupl und Finanzstadtrat Sepp Rieder (beide SP) am Freitag das berühmte Knöpfchen - oder vielmehr die Computertaste - zum Start: Nicht nur per Bescheid erteilen Politiker Gasturbinenanlagen offiziell die Betriebserlaubnis.

2,1 Milliarden Schilling (153 Mio. EURO) hat der Bau gekostet. Und weil er "schnell und reibungslos" in zweieinhalb Jahren errichtet wurde, war die Politik gerührt: "Wir sind so stolz." (aw)

(DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2001)
Gruppenführung im Kraftwerk: (01) 40 04-72000
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