Bundesforste- Mitarbeiter befürchten weiteren Kahlschlag durch Grasser

30. November 2001, 16:22
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"Weitere Zugriffe würden das Unternehmen extrem schwächen"

Wien - Am 28. Dezember erhält Finanzminister Karl- Heinz Grasser erfreuliche Post: Er bekommt ein dickes Geldpaket von der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf). Die Arbeitnehmervertreter des größten heimischen Forstbetriebes befürchten allerdings, dass es nicht bei der einen großen Geldsendung Richtung Himmelpfortgasse bleiben wird.

Ende Dezember überweisen die ÖBf jedenfalls 800 Mio. S (58,1 Mio. €), die durch verstärkte Grundverkäufe und eine Fremdfinanzierung (für 350 Mio. S) aufgestellt wurde. Dafür bekommen sie elf Seen zur Bewirtschaftung und Nutzung übertragen. Der Bestand der Seen ist verfassungsrechtlich geschützt, wodurch deren "Ausverkauf" unmöglich wird. Mit insgesamt einer abfließenden Milliarde S - 200 Mio. S kann die Republik noch aus Verkäufen von kleinen Anlandungsflächen bei Seegrundstücken lukrieren - hoffen die ÖBf-Chefs dann ihren Part im Zusammenhang mit Grassers Forderungen an Regierungskollegen Wilhelm Molterer erfüllt zu haben. Grasser erwartet sich nach wie vor insgesamt drei Mrd. S (jeweils 1,5 Mrd. S 2001 und 2002) aus dem Landwirtschaftssektor.

Sorgen

Auf Anfrage des Standard schließt das ÖBf-Vorstandsduo Thomas Uher und Georg Erlacher zwar "einen Zugriff auf Bundesforste-Rücklagen dezidiert aus", die Arbeitnehmervertreter machen sich aber so ihre Sorgen.

Sie fürchten vor allem den Zugriff auf ÖBf-Rückstellungen, die sich in der Höhe von 900 Mio. S bewegen sollen. Kommt es etwa "zu einer Rücklagenauflösung und womöglich zu einer Sonderdividende, würde das Unternehmen extrem geschwächt", formuliert Hans Kienbacher vom Zentralbetriebsrat die Bedenken. Dafür müssten nämlich zusätzliche Grundverkäufe vorgenommen werden. Für diesen Fall droht er mit Negativ-Publicity durch die Installierung einer "Rettungsplattform".

Molterer-Sprecher Gerhard Popp versteht die Sorgen insoferne, als die Landwirtschaft sicher nicht die großen Geldtöpfe zur Verfügung habe. Man stehe derzeit betreffend die Budgetverpflichtungen vor Gesprächen mit dem Finanzminister. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 1.12.2001)

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