Das Goethe-Institut kehrt nach Kabul zurück

30. November 2001, 15:05
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Ziel: Dialog mit islamisch geprägten Ländern - "kostet weniger als ein Spürpanzer"

Berlin - Das Goethe-Institut Inter Nationes will seine Zweigstelle in Afghanistan möglichst schnell wiedereröffnen. Einen entsprechenden Vorschlag werde man Außenminister Joschka Fischer in einem Gespräch am 11. Dezember unterbreiten, sagte der Präsident des Instituts, Hilmar Hoffmann, am Freitag in Berlin. Zudem sollten in Iran, Algerien, Kuba und China neue Büros gegründet werden. Derzeit gibt es den Angaben zufolge 128 Institute in 76 Ländern. Seit 1994 mussten 32 Zweigstellen wegen fehlender Mittel geschlossen werden.

Hoffmann übte scharfe Kritik an der Finanzpolitik der Bundesregierung. Seit 1999 habe das Institut einen rund 7,6 Millionen Euro kleineren Etat zu verkraften. Unter solchen Umständen sei es schwierig, den von der Bundesregierung erteilten Auftrag zu erfüllen. Der Gesamtetat des Instituts betrug den Angaben zufolge im Jahr 2000 insgesamt 480 Millionen Mark, von dem 130 Millionen Mark selbst erwirtschaftet wurden.

"Weniger als ein Spürpanzer"

"Friedenspolitik ist effiziente Kulturpolitik", sagte Hoffmann, der nach zwei Amtszeiten und neunjähriger Präsidentschaft im kommenden Jahr ausscheidet. Die Gründung einer Zweigstelle koste rund 750.000 Mark und damit weniger als ein Spürpanzer. Im Jahr 2001 hätten in den Instituten im Ausland rund 150.000 Menschen, im Inland weit über eine Million Menschen die deutsche Sprache gelernt.

Nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September müsse die Lehre gezogen werden, "dass unserer Welt nichts mehr fehlt als internationale kulturelle Verständigung", erklärte Hoffmann. Für die kommenden Wochen kündigte er das Sonderprogramm "Dialog mit islamisch geprägten Ländern" an. "Ein Goethe-Institut ist Teil der Öffentlichkeit seines Standorts und kann damit unmittelbar am demokratisch-zivilen Fortschritt des Gastlandes mitwirken", sagte der Präsident.

Dialog

Auch der neue Generalsekretär Joachim-Felix Leonhard, seit Oktober im Amt, verwies auf den langfristigen Charakter der Kulturarbeit. "Verständigung und Dialog zwischen Kulturen und den Künstlern und Intellektuellen, die sie vertreten, sind Generationsprojekte und nachhaltig zu betreiben - was Einzelevents nicht ausschließt", sagte Leonhard.

Positiv bewertete Hoffmann die Fusion des Goethe-Instituts mit der Organisation Inter Nationes Anfang des Jahres. Dadurch seien Kompetenzen gebündelt und Doppelstrukturen abgebaut worden. Allerdings sei er sehr besorgt darüber, dass der Haushaltsausschuss die zuvor zugesagte so genannte Fusionsrendite in Frage stelle. (APA/AP)

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