US-Kabelindustrie diskutiert Optionen für interaktives TV

30. November 2001, 14:58
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Suche nach den besten Anwendungsmöglichkeiten

Während in Deutschland noch der Ausbau der Kabelnetze für das Digitalfernsehen der Zukunft diskutiert wird, ist in weiten Teilen der USA interaktives Fernsehen (iTV) technisch bereits möglich. Dennoch sind sich die Unternehmen der Kabelfernseh-Industrie dort längst noch nicht im Klaren darüber, welche Anwendungen sie vermarkten wollen. "Wir können jetzt alles machen, wovon wir die letzten 30 Jahre geträumt haben", sagt Glenn Britt, Chairman von Time Warner Cable. Jetzt müsse sich die Industrie auf die besten Anwendungen und die passenden Preise konzentrieren.

In Deutschland will der US-Konzern Liberty Media für 5,5 Mrd. Euro (75,7 Mrd. S) einen Großteil der Fernsehkabelnetze der Deutschen Telekom übernehmen und für digitales Fernsehen ausbauen. Die konkurrierende Callahan-Gruppe hatte bereits Anfang Oktober in Nordrhein-Westfalen die ersten Internet-Zugänge über das Fernsehkabel gestartet (etat.at berichtete).

Beim interaktiven Fernsehen nicht die eine dominierende Anwendung

Nach Einschätzung von Managern mehrerer US-Unternehmen gibt es beim interaktiven Fernsehen nicht die eine dominierende Anwendung wie E-Mail beim Internet. Die Interessen der Verbraucher seien sehr unterschiedlich, hieß es auf einer Branchen-Messe im kalifornischen Anaheim.

Nach Ansicht des Kabelbetreibers Insight Communications sind Multimedia-Anwendungen - wie die Bestellung von Pizza über den Fernseher - nicht so beliebt wie zunächst angenommen. Schließlich sei dies auch über das Telefon möglich. Viel populärer sei bei den Kunden dagegen, sich das Menü einzelner Restaurants im Fernsehen anzuschauen, bevor sie dort einen Tisch reservierten.

Großes Intersse für Bezahlfernsehen auf Bestellung

Besonders großes Interesse gibt es der US-Kabelbranche zufolge derzeit aber am Bezahlfernsehen auf Bestellung. Bei diesem "Video on Demand" können Zuschauer im Gegensatz zum herkömmlichen Bezahlfernsehen die ausgewählte Sendung zu jeder beliebigen Zeit anschauen.

In Deutschland hatte die Kirch-Gruppe mit dem in Premiere umbenannten Programm DF1 bereits vor Jahren Pay-TV eingeführt. Mit zuletzt rund 2,4 Millionen Abonnenten blieb Premiere jedoch hinter den Erwartungen zurück. Experten zufolge ist das frei empfangbare Programm in Deutschland - anders als in anderen Ländern - eine große Konkurrenz für das Bezahlfernsehen.

Nach Studien des Marktforschungsinstituts Forrester sollen in den USA bis Ende des Jahres 15 Millionen Haushalte an ein digitales Fernsehkabelnetz angeschlossen sein, nach 8,7 Millionen im vergangenen Jahr. In Deutschland liegt der Anteil der mit digitalen Fernsehkabeln ausgerüsteten Haushalte noch weit unter zehn Prozent. (APA/Reuters)

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