Heuer wurden bereits 53 Journalisten getötet

30. November 2001, 13:47
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"Death Watch"-Statistik des IPI - Mord wird "bevorzugte Methode der Zensur"

2001 ist ein gefährliches Jahr für Journalisten, wie die "Death Watch"-Statistik des in Wien ansässigen International Press Institute (IPI) zeigt. Vom 1. Jänner bis 30. November des Jahres sind insgesamt 53 Journalisten und Medienmitarbeiter ums Leben gekommen, teilte das IPI am Freitag in einer Aussendung. Im Vorjahr wurden insgesamt 56 Todesfälle verzeichnet.

"Spitzenreiter" Kolumbien

Acht Journalisten wurden in Afghanistan getötet, trauriger Spitzenreiter ist Kolumbien mit zehn toten Medienmitarbeitern. In den Palästinensergebieten und auf den Philippinen kamen je 3 Journalisten ums Leben. In insgesamt 23 weiteren Ländern wurden Journalisten ermordet. In Europa wurden elf Journalisten umgebracht, zumindest zwei wurden dabei - in Spanien bzw. in Nordirland - Opfer von Terrorakten

Angesichts der acht toten Journalisten in Afghanistan würden die Bemühungen verstärkt, die Risiken für Reporter in Krisengebieten zu reduzieren, schrieb das IPI. Info-Pools zu potenziell gefährlichen Aufgaben sowie allgemeine Sicherheitsrichtlinien gehörten etwa zu Maßnahmen, die in Medien-Organisationen überlegt würden.

Mord an Journalisten wird "bevorzugte Methode der Zensur"

Noch immer aber würde Gewalt an Medienvertretern von vielen Regierungen viel zu lax geahndet, kritisierte IPI-Direktor Johann P. Fritz. "Auch gut ausgebildete und erfahrene Journalisten werden weiter sterben, so lange Soldaten, Paramilitärs, Terroristen, Banditen und andere Gruppen glaube, sie können Journalisten ungestraft umbringen." Alarmiert zeigte sich Fritz angesichts der Tendenz, dass in manchen Teilen der Welt "der Mord an Journalisten die bevorzugte Methode der Zensur" geworden sei.

Sicherheit und Pressefreiheit in Afghanistan garantieren

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) hat indes von den neuen Machthabern in Afghanistan und besonders der Nordallianz gefordert, die Sicherheit von ausländischen Reportern in dem verwüsteten Land zu garantieren. Der Generalsekretär der internationalen Organisation, Robert Menard, beklagte am Freitag am Rande der Afghanistan-Konferenz bei Bonn, dass die Journalisten in Afghanistan einen höheren Blutzoll gezahlt hätten als westliche Bodentruppen.

Reporter seien nicht auf Kriseneinsätze vorbereitet

Menard kritisierte den für Polizei und innere Sicherheit zuständigen Innenminister der Nordallianz, Junis Kanuni. Dieser hatte auf der Konferenz erklärt, die Sicherheit in Afghanistan sei gewährleistet. Menard sagte, dies sei "nicht wahr". Auch die westlichen Medien trügen eine Mitverantwortung, wenn sie ihre Reporter nicht ausreichend auf die Jobs in Krisengebieten vorbereiteten und diese häufig nicht einmal versicherten.

Menard forderte die Nordallianz in der Hauptstadt Kabul auf, die Pressefreiheit vor allem für afghanische und pakistanische Journalisten zu gewährleisten. Es gebe Informationen, dass das Außenministerium ihnen strenge Auflagen mache und sie bürokratisch schikaniere. "Das Erscheinen von Frauen auf den Bildschirmen ist noch kein Beweis für Pressefreiheit", sagte er. (APA/AP)

Nähere Informationen und "Death Watch"-Statistik
www.freemedia.at
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