Der "Aids-Cocktail" würde helfen

30. November 2001, 13:32
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"Ärzte ohne Grenzen" ruft zur Hilfe für ärmere Länder auf

Wien - Anlässlich des Welt-Aids-Tages ruft die internationale medizinische Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" die Regierungen weltweit auf, den Bekenntnissen zur Bekämpfung von Aids in ärmeren Ländern endlich Taten folgen zu lassen. Mit Pilotprojekten in acht Ländern hat die Organisation gezeigt, dass eine Therapie mit dem "Aids-Cocktail" (Kombinationstherapie) auch in ärmeren Ländern möglich ist. In Guatemala, Thailand, Malawi und anderen Entwicklungsländern seien Hunderte von Menschen, die ohne diese Behandlung gestorben wären, nun in der Lage, ein normales, produktives Leben zu führen.

"In den Programmen von 'Ärzte ohne Grenzen' ist die Dreifachtherapie mit antiretroviralen Medikamenten Teil eines umfassenden Ansatzes zur Behandlung von Aidspatienten. Die ersten Erfahrungen, die Ärzte ohne Grenzen mit dem Einsatz der antiretroviralen Mediakente sammeln konnte, sind sehr positiv. Die Behandlung ist zwar kein Wundermittel, verlängert das Leben der Patienten aber und verbessert zugleich deren Lebensqualität", hieß es am Freitag in einer Aussendung der Hilfsorganisation.

USA: Sterblichkeitsrate um bis zu 90 Prozent gesenkt

In den Vereinigten Staaten, wo Aidskranke bereits seit 1996 mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden, konnten die neuen Medikamente die Sterblichkeitsrate um bis zu 90 Prozent senken. In Brasilien, einem Land mit einem sehr wirksamen Anti-Aids-Programm, brachte die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten dem Staat zwischen 1997 und 1999 Einsparungen in der Höhe von 472 Mill. US-Dollar (7,35 Mrd. S), da weniger Patienten in Krankenhäuser eingeliefert oder wegen opportunistischer Infektionen behandelt werden mussten.

"Die Anwendung von antiretroviralen Medikamenten hier in Guatemala ist revolutionär, da diese Medikamente in den meisten zentralamerikanischen Ländern nicht erhältlich sind," erklärte jetzt Dr. Belen Pedrique, Koordinator in einem der Programme von 'Ärzte ohne Grenzen' in Guatemala. "Wir konnten bei unseren Patienten eine enorme Verbesserung der Lebensqualität feststellen. Dank dieser Behandlung erleiden sie weniger Begleitinfektionen und sind daher in der Lage, ihre Arbeit wieder aufzunehmen oder sich um ihre Familien zu kümmern. Die Möglichkeit einer derart umfassenden Behandlung schafft völlig neue Perspektiven für die Behandlung von Menschen, die mit Aids leben", erklärte der Arzt weiter.

"Da die antiretroviralen Medikamente billiger geworden sind und dank des öffentlichen Drucks und des Wettbewerbs im Bereich der Generika weiterhin billiger werden, gibt es keinen Vorwand mehr, die Behandlung damit nicht so bald wie möglich zu beginnen," betonte Dr. Bernard Pécoul, Leiter der internationalen Medikamentenkampagne der Hilfsorganisation.

Finanzmittel gefragt

Die Regierungen der Entwicklungsländer müssten eine Vorreiterrolle übernehmen. Die Geberländer aber müssten die notwendigen Finanzmittel bereitstellen, damit die Programme durchgeführt und ausgeweitet werden könnten. Eine Nichtregierungsorganisation kann nur aufzeigen, dass die Behandlung möglich ist, verfügt aber weder über das Mandat noch über die Mittel, um große, landesweite Programme einzuführen - das ist Sache der Regierungen," erklärte Dr. Pécoul.

"Ärzte ohne Grenzen" betreibt in fast 30 Ländern der Welt Aids-Programme. Seit dem Jahr 2000 hat die Organisation neun Programme in Kambodscha, Kamerun, Guatemala, Kenia, Malawi, Südafrika und Thailand gestartet, in denen die Patienten mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden. (APA)

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