OSZE: Frauenhandel nimmt rasant zu

30. November 2001, 13:48

Rechtlich anerkannter Opferstatus für Betroffene soll bedingungsfrei werden

Wien - Frauenhandel ist nach den Worten der ehemaligen Frauenministerin Helga Konrad einer der lukrativsten und am schnellsten wachsenden Bereiche der organisierten Kriminalität in Europa. "Dieses Geschäft kennt keine ethnischen Barrieren. In Südosteuropa arbeiten die Kriminellen eng zusammen und teilen sich die Profite in Milliardenhöhe", erklärte Konrad, Leiterin der Task-Force gegen Menschenhandel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Donnerstag Abend auf einer Podiumsdiskussion in Wien.

Frauenhandel verlangsamt den Demokratisierungsprozess

Seit der Öffnung der Grenzen 1989 sei der Schmuggel von Frauen von Osteuropa in die EU-Staaten rapide gestiegen, erklärte Konrad. Schlechte wirtschaftliche Aussichten und Ungleichheit der Geschlechter seien die Ursachen. Ohne Korruption sei Frauenhandel allerdings nicht möglich. Frauenhandel wirke sich daher negativ auf den Demokratisierungsprozess der Länder Südosteuropas aus, so Konrad. Das Problem sei sehr komplex und erfordere eine koordiniertere Aktion der internationalen Gemeinschaft.

Frauenhändler würden keine angemessen Strafen befürchten müssen, kritisierte Konrad. "Fast nie werden die Täter wegen Menschenrechtsverletzung angeklagt." Die betroffenen Frauen hingegen hätten wegen ihres illegalen Status keine Rechte und sozialen Schutz.

Rechtlich anerkannter Opferstatus

Christina Kangaspunta von der UNO-Behörde zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (ODCCP) kritisierte die praktische Umsetzung des rechtlich anerkannten Opferstatus im UNO-Protokoll gegen Menschenhandel. Laut UNO-Protokoll habe eine Frau, die Opfer von Menschenhandel wurde, bestimmte Rechte. So gewähre der Opferstatus Schutz, das Recht auf Anhörung, Kompensation, psychische Unterstützung und verhindere die sofortige Abschiebung. "Die Rechte der Opfer sind ganz klar definiert", unterstrich Kangaspunta.

Doch dieser Opfer-Status werde in den meisten EU-Staaten nur dann gewährt, wenn die Frau in einem Verfahren zur Kooperation und zur Aussage bereit sei, so Kangaspunta. Zudem dürften Frauen in den meisten Staaten während des Verfahrens keiner Arbeit nachgehen. Nach Beendigung des Verfahrens würde der Opferstatus aufgehoben werden und die Frau könne auf Grund illegalen Aufenthaltes abgeschoben werden, erklärte Kangaspunta das Dilemma. (APA)

Share if you care.