Umfassende "Aufnahmen" der Tiroler Sprache

30. November 2001, 11:43
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Alte Ortsmundarten sind bedroht und werden nun dokumentiert

Innsbruck - Wie heißt das männliche Zuchttier bei den Rindern? "Für die scheinbar einfache Antwort kennt die Tiroler Mundart - mit "Stier", "Jodl", "Mulli" oder "Wiga" - eine ganze Reihe von Ausdrücken". Die Dialekte Gesamttirols werden derzeit an der Tiroler Almamater erstmals umfassend aufgezeichnet und dokumentiert.

Besonders ältere Tiroler aus den jeweiligen Orten werden befragt. Sie kennen nämlich noch die althergebrachte Mundart ihres Dorfes, erklärte die Expertin Beatrix Schönherr von der Universität Innsbruck im Gespräch. Im Gepäck haben die Sprachforscher ein spezielles Buch, das 2.600 Fragen an die "Einheimischen" enthält. Gesammelt und dokumentiert werden nicht nur der dialektale Wortschatz - also Wörter aus der Mundart -, sondern auch Besonderheiten der Grammatik sowie die Lautung.

161 derartiger "Aufnahmen" aus Gesamttirol wurden bereits gesammelt. Nordtirol ist nach Angaben Schönherrs fast vollständig dokumentiert. In Ost- und Südtirol werden die Aufnahmen in wenigen Jahren abgeschlossen sein. Insgesamt ist das Expertenteam des Instituts für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik der Universität Innsbruck bereits seit rund 20 Jahren unter der Leitung des Mundartexperten Univ.-Prof. Eugen Gabriel in Nord-, Ost- und Südtiroler Orten in Sachen Dialektforschung unterwegs.

Weiteres Projekt

Die derzeitigen Dialekterhebungen in Nord- und Osttirol werden vom Land Tirol finanziell unterstützt. Seit 1998 läuft außerdem am Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik unter der Leitung von Rektor Univ.-Prof. Hans Moser das Projekt "Erfassung des dialektalen Sprachguts in Südtirol". In diesem von der "Autonomen Provinz Bozen-Südtirol" geförderten Projekt werden nicht nur die Ortsdialekte Südtirols ergänzt, sondern auch die dortigen Flurnamen gesammelt.

Insgesamt verfolgen die Forschungen das Ziel, die Ortsmundarten aus Nord-, Ost- und Südtirol zu dokumentieren und zu sichern. "Durch die Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt sowie durch den Einfluss der Medien und des Tourismus sind die alten Ortsmundarten nämlich immer mehr bedroht", betont Schönherr. (APA)

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