Angstattacken beim Einkauf oder im Supermarkt

30. November 2001, 14:19
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Angststörungen werden viel zu selten richtig erkannt

Berlin - Wer beim Einkauf im Supermarkt oder im Theaterfoyer plötzlich von Herzrasen, Atemnot und Schweißausbrüchen überfallen wird, hat in den meisten Fällen keine Kreislaufstörungen, sondern eine Angstattacke. Solche Störungen kämen zwar häufig vor, würden aber noch viel zu selten richtig erkannt, berichtete der Münchener Psychiater und Angstspezialist Reinhard Boerner auf einem Fachkongress in Berlin. Mit modernen Medikamenten sei die Krankheit jedoch gut heilbar.

Es gebe verschiedene Formen von Angststörungen, erklärte Boerner, der die spezielle Angstambulanz an der Münchener Universitätsklinik leitet. Regelrechte Panikattacken in Menschenmengen oder engen Räumen, in denen eine Flucht schwer möglich oder zumindest Aufsehen erregend sei, gehörten zu diesen so genannten Phobien. Dabei seien die Ängste immer an bestimmte Situationen gebunden, wie etwa Flugangst, Höhenangst oder Tunnelangst. Oftmals kämen noch depressive Symptome oder gar Suchterkrankungen hinzu: "Nur wenige Patienten leiden unter einer isolierten Angststörung. Meist treten auch Symptome anderer Angststörungen auf."

"Generalisierte Störung"

Dabei handelt es sich nach Schilderung des Wissenschafters oft um eine so genannte generalisierte Störung, in deren Vordergrund beispielsweise die Furcht der Patienten stehe, im beruflichen Alltag zu versagen. Mit Zittern, Atemnot und Herzrasen ähnelten die Symptome denen der Panikattacken, zusätzlich seien sie jedoch begleitet von innerer Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwächen. "Allen gemeinsam ist eine ängstliche Stimmung, Vermeidungsverhalten, negative Gedanken und körperliche Missempfindungen", betonte Boerner.

Diese Krankheitserscheinungen hätten jedoch nicht nur seelische Ursachen, sondern seien auch genetisch und biologisch bedingt, beispielsweise von Stoffwechselstörungen. Entsprechend erfolgreich seien medikamentöse Behandlungen. Studien hätten gezeigt, dass etwa in 60 Prozent der Fälle Patienten mit Panikanfällen innerhalb von etwa zwölf Wochen ohne zusätzliche Psychotherapie allein bei einer Behandlung mit Antidepressiva geheilt würden.

Die Praxis allerdings sehe bisher noch schlecht aus, kritisierte der Spezialist. In nur etwa rund sechs Prozent der Fälle werde eine Angststörung überhaupt als solche diagnostiziert, und davon wiederum bekomme nur etwa die Hälfte der Patienten auch eine entsprechende Therapie. Um diese Situation zu verbessern, wollen die Fachärzte nun einen einheitlichen Fragebogen für die Hausärzte entwickeln, damit diese die Grundsymptome einer Angsterkrankung schnell und einfach erfassen können. (APA/AP)

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