George Harrison: Der "stille Beatle"

30. November 2001, 15:53
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Wien - Während seiner Beatles-Zeit fühlte er sich von seinen Bandmitgliedern ignoriert, er galt als der "Stille" oder der "Dritte" unter den Beatles, der immer im Schatten von Paul McCartney und John Lennon stand. Dabei hat George Harrison immerhin 22 Songs der Gruppe, darunter Hits wie "If I Needed Someone", "Taxman" und "Here Comes The Sun", geschrieben. Nach dem Tod Harrisons leben nur noch zwei der legendären "Fab Four".

Harrison wurde am 25. 2. 1943 als Sohn eines Busfahrers in Liverpool geboren, er war damit der jüngste unter den Beatles. Er besuchte zwei Klassen unter John Lennon die Dovedale Primary School, dann, eine Klasse hinter McCartney, das Liverpool Institute. Der Band-Legende nach kam er mit McCartney bei gemeinsamen Schulbusfahrten ins Gespräch, wo sich bald die gemeinsame Leidenschaft für Musik herausstellte.

Mit zwölf schon auf der Bühne

Mit zwölf zog es ihn schon auf die Bühne: Gemeinsam mit seinem Bruder gründete er seine erste Band "The Rebels". 1959 trat der Elektrikerlehrling in seiner Freizeit bereits an der Seite seiner späteren Beatles-Mitstreiter Lennon und McCartney in der Gruppe "Quarrymen" auf. Den Beitritt zu dieser Beatles-Vorläuferband musst er sich verdienen: Zuerst als zu jung für die Band bewertet, hing er so lange bei den Proben herum, bis der reguläre Gitarrist einmal ausfiel und Harrison für ihn einsprang. Als ein Jahr später noch Ringo Starr hinzu stieß, hat die Geburtstunde der Beatles geschlagen.

Die Gruppe tingelte zunächst durch Striptease-Lokale in Hamburg (wo die anderen Bandmitglieder der Entjungferung Harrisons beigewohnt haben sollen) und spielte im Cavern-Club in Liverpool, wo die Musiker auch ihren späteren Manager Brian Epstein kennen lernen. Bald schon erwarb sich die Band ihren Legendenstatus. In der Band sei es sehr schwer für ihn gewesen, sich mit eigenen Ideen durchzusetzen: "Paul McCartney und John Lennon hatten ein unbestreitbares Talent, und sie bildeten ein gutes Duo. Es waren aber auch zwei Typen mit einem riesigen Ego, die wenig Spielraum für andere ließen", sagte Harrison einmal. Er interessierte sich für fernöstliche Lehren und ließ sich von Ravi Shankar die Geheimnisse der Sitar beibringen. Sein erstes Solo-Album, die LP "Wonderwall", kam am 1. November 1968 als erstes Zeichen für die sich längst anbahnende Trennung der Band heraus.

Solokarriere

Nach dem Ende der Gruppe startete Harrison eine Solokarriere und spielte auf den Alben anderer Musikgrößen. Seine letzte Veröffentlichung war seine Solo-LP "All Things Must Pass", die 2001 30 Jahre nach Erstveröffentlichung in überarbeiteter und erweiterter Form wieder herausgegeben wurde. Auf diesem Album ist auch Harrisons Solohit "My Sweet Lord" von 1971 als Bonus in komplett neuer Form enthalten, dem Song haftet allerdings der Makel eines gerichtlich bestätigten Plagiatvorwurfs ("He's So Fine" der Chiffons von 1963) an.

Während der Dreharbeiten zu "A Hard Day's Night" lernte Harrison das Model Patty Boyd kennen, die seine erste Ehefrau wurde. Die beiden heirateten am 21. Jänner 1966, nach dem Ende der Beatles endete jedoch auch das Eheglück. Die beiden ließen sich scheiden, Harrison heiratete seine ehemalige Sekretärin Olivia Arias, mit der er einen Sohn (Dhani) hat.

In den letzten Jahren lebte er zurückgezogen auf seinem Schloss westlich von London und sah sich selbst als Gärtner. 1999, fast genau 19 Jahre nach der Ermordung Lennons (1980), entging Harrison knapp einem Mordanschlag, als er in seinem Bett von einem geisteskranken Attentäter mit Messerstichen schwer verletzt wurde. 1998 gab er bekannt, dass er an Rachenkrebses litt, 2001 unterzog er sich mehreren Behandlungen wegen Lungen- und Gehirntumoren. Sein Optimismus blieb jedoch aufrecht, immer wieder betonte er seinen Lebenswillen. Am Donnerstag, den 29. 11. 2001, verstarb er in Los Angeles. (APA)

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