Paschtunen-Anführer verlässt Afghanistan-Konferenz unter Protest

30. November 2001, 11:30
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Afghanistan-Konferenz ringt nach grundsätzlicher Einigung um Detailfragen

Bonn - Nach einer weitgehenden Einigung über Rahmenbedingungen einer Übergangsordnung ringt die von den Vereinten Nationen organisierte Afghanistan-Konferenz in Deutschland jetzt um Detailfragen. Die Delegierten kamen am Freitag zu ihrer vierten Verhandlungsrunde auf dem Petersberg bei Bonn zusammen. Ein paschtunisches Mitglied der Nordallianz, der Gouverneur von Nangarhar, Abdul Kadir, hatte zuvor unter Protest den Verhandlungssaal verlassen.

Gelöst werden muss die Frage der inneren Machtverteilung unter den verschiedenen Volksgruppen in den beiden Übergangsinstitutionen, dem provisorischen Kabinett und dem vorläufigen Parlament. Kadir ist einer von drei Paschtunen in der tadschikisch dominierten Nordallianz-Vertretung bei den Gesprächen. Kadir hatte den Tadschiken unter Präsident Burhanuddin Rabbani vorgeworfen, andere Volksgruppen nicht gebührend zu berücksichtigen.

UNO-Sprecher Ahmed Fawzi hatte sich am Donnerstag optimistisch gezeigt, dass die Konferenz am Wochenende mit einem Erfolg abgeschlossen werden könne. Alle Delegationen hätten ihren "ernsten Willen" betont, zu einer Konsensverständigung zu kommen. Die Vertreter der Nordallianz betonten, sie seien nicht gegen die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe. Eine solche könne aber erst nach der Bildung einer Übergangsverwaltung stationiert werden, falls dies dann "notwendig" sei.

Die Anhänger des ehemaligen Königs Mohammed Zahir haben eine führende Rolle für den Ex-Monarchen vorgeschlagen. Zahir Schah solle in der Übergangszeit als Staatsoberhaupt fungieren, sagte der Leiter der Delegation der so genannten Rom-Gruppe, Abdul Sattar Sirat. Die Rom-Gruppe stellt elf der insgesamt 28 Delegierten bei den seit Dienstag geführten Gesprächen auf dem Petersberg bei Bonn. (APA/dpa)

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