Rotes Kreuz befürchtet Hungerkatastrophe in Afghanistan

30. November 2001, 08:06
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400.000 Tote befürchtet

Hamburg - In Afghanistan werden nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes rund 400.000 Menschen verhungern, wenn es nicht gelingt, innerhalb der nächsten drei Wochen Hilfsgüter ins Land zu bringen. "Es gibt derzeit keine Chance, auf dem Landweg Hilfsgüter nach Afghanistan zu transportieren", sagte der Sprecher des DRK, Lübbo Röwer, dem "Hamburger Abendblatt" (Freitagausgabe). Schuld seien marodierende Clans, die in den von den Taliban zurückeroberten Gebieten um Machtpositionen kämpften und Konvois unmöglich machten.

Röwer war dem Bericht zufolge selbst im Grenzgebiet zu Afghanistan und habe dort nur Elend, Chaos und Anarchie gesehen: "Einer unserer Konvois musste dreimal umkehren, weil er von bewaffneten Banditen aufgehalten wurde", sagte er der Zeitung. Derzeit etwas nach Afghanistan zu bringen, sei viel zu gefährlich. "Man muss um Leib und Leben fürchten, wenn man durch Clangebiet fährt."

Lokale "Warlords" behindern Hilfstransporte

Auch Caritas-International werde von lokalen "Warlords" am Helfen behindert, sagte Sprecher Matthias Schüth der Zeitung. Er forderte Sicherheitsgarantien der einzelnen Clan-Chefs.

DRK und Caritas fordern diese Garantien von den auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz versammelten Vertretern der afghanischen Volksgruppen. "Dass diese Garantien noch gegeben werden, glaube ich aber nicht mehr", erklärte Röwer. "Die Hilflosigkeit der Hilfsorganisationen wird sich noch Wochen hinziehen."(APA/AP)

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