Sozialbau: Jeder muss alles können

29. November 2001, 21:58
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Im Callcenter soll es ab nächstem Jahr pro Kunden nur einen Ansprechpartner geben

"In der Kundenabteilung muss jeder jederzeit alles können, wir haben keine Spezialisten für Todesfälle und Wohnungssuchende", beschrieb der Chef der Sozialbau und Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen Wiens, Herbert Ludl, den Status quo in seiner Gesellschaft. In der Kundenabteilung arbeiten derzeit 20 Mitarbeiter. Sie sollen ab 2002 in einem Callcenter organisiert sein, wo ein Mitarbeiter in 80 bis 90 Prozent der Fälle der einzige Ansprechpartner für den Kunden ist.

Gemeinnützige Wohnbauvereinigungen sind "ein beliebtes Feld für Außenstehende, um zu versuchen ins Unternehmen hineinzuregieren", umschreibt Ludl die allgegenwärtige Interventionitis. Es sei daher ein Zeichen von guter Führung, sich dagegen abzugrenzen. Von großer Bedeutung ist die Hausverwaltung. Knapp 45 der insgesamt 140 Sozialbau-Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Neben einer ausreichenden technischen Kompetenz (unter anderem in Fragen der Sanierung) müssen die Hausverwalter auch eine hohe soziale Kompetenz haben. "Zu 50 Prozent haben diese Mitarbeiter mit Dingen zu tun, die mit ihrer eigentlichen Tätigkeit nichts zu tun haben. Das reicht von der Nachbarschaftshilfe bis zur Altenbetreuung, mit all dem müssen Hausverwalter umgehen können", betonte Ludl.

Eingestellt werden in der Regel nur Personen, die die Hausverwalter-Prüfung nach einem zweijährigen Abendlehrgang beim Österreichischen Verband der Immobilbientreuhänder absolviert haben. Wohnungsvermittler müssen über eine gute Allgemeinbildung verfügen und Verkaufserfahrung in der Immobilienbranche haben. Diese Mitarbeiter müssen "im Umgang mit Kunden Freude haben, und nicht bei jedem Kontakt eine Gürtelrose bekommen", meint Ludl.

Kleinere Betriebe

Die Wohnwirtschaftliche Tagung biete insofern vor allem Klein- und Mittelbetrieben der Branche die Chance sich zu artikulieren. Jene kleineren Gesellschaften, die sich nicht so sehr für die Politik interessieren, werden hier aus der Reserve gelockt und können sich präsentieren.

Der Kunde unterscheidet nämlich nicht zwischen kleinem oder großem Betrieb; er verlangt von beiden Wohnbaugesellschaften die gleich gute Dienstleistung, betonte Ludl, der erneut darauf hinwies, dass es keine geschützten Bereiche mehr gibt.

Daher ärgern ihn auch die häufigen Novellen zum Wohnrecht: "Wir, die Gemeinnützigen, leben in einer Zeit des Umbruchs und erleben gerade ein Feuerwerk an gesetzlicher Gängelei. Die Novellen treffen aber nur uns Gemeinnützige und nicht die gesamte Immobilienbranche", kritisiert Ludl. Er holt zum Schlag gegen jene Regierungspolitiker aus, die die Gesetzesnovellen beschlossen haben: "Das waren Scheinaktivitäten und Aktivitäten von Wichtigtuern." (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe 30.11.2001)

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