"Die Musik spielt noch immer in Amerika"

29. November 2001, 21:37
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US-Biotech im Aufwärtstrend

Die Börsenkrise ist auch an den Biotech-Aktien nicht vorbei gegangen. Man musste erkennen, dass die Gewinnzone für viele der neuen Unternehmen wesentlich schwieriger und später erreichbar ist als ursprünglich, meist im Überschwang des Börsenganges, angenommen. Schuld daran waren und sind hohe Forschungsausgaben und die langwierige Umsetzung der Forschungen in konkret verwertbare Produkte, Medikamente oder Lizenzen. "Das Ausfall-Risiko für neue Medikamente vor der klinischen Prüfung liegt bei 90 Prozent," weiß Alexander Burger, der als Analyst für die LB Baden-Württemberg den Sektor verfolgt. "Dieses Risiko trägt der Investor mit."

Daher wurden in schwierigen Börsenzeiten die etablierten Firmen, die schon auf positive Gewinnzahlen verweisen konnten, gegenüber den Hoffnungswerten klar bevorzugt. Und da sind die US-Unternehmen eindeutig voran. Sie konnten sich zwar dem allgemein negativen Börsentrend und insbesondere dem Kurseinbruch nach dem 11. September nicht ganz entziehen, haben aber die Verluste zum Teil wieder wettgemacht. Branchenleader Amgen - mit bereits erfolgreich am Markt befindlichen Produkten wie z. B. Epogen und etlichen neuen in der Pipeline - ist zuversichtlich, zumindest bis 2005 Umsatz und Gewinn jährlich um 20 Prozent steigern zu können.

So etwas hören Aktionäre und Analysten gern. Mit zum aktuellen Aufschwung könnte die Neuaufnahme von einigen Biotech-Aktien in den wichtigen Nasdaq-Index beitragen. Kandidaten dafür sind Invitrogen, Cephalon und Sepracor. "Die Musik spielt noch immer ganz klar in den USA," sagt Burger. "Europa war zu langsam bei der Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Daher ist in Europa derzeit noch fast gar nichts profitabel." Cephalon dagegen konnte mit der Vermarktung von Provigil, einem Medikament gegen krankhafte Müdigkeit, kürzlich erstmals ein Quartal mit Gewinn abschließen. Ein Beweis, dass kleinere Firmen, wie es die meisten Biotech-Unternehmen noch immer sind, schon mit nur einem effektiven Medikament für eine relativ schmale Patientengruppe den Durchbruch schaffen können. Bei einem Pharma-Riesen würde sich dieses Medikament kaum bemerkbar machen.

Erfolg mit Impfstoffen

Zu den wenigen europäischen Firmen, die bereits mit Gewinnen aufwarten können, zählt Rhein Biotech (Schwerpunkt Impfstoffe, z. B. gegen verschiedene Hepatitisformen). Für den Investor, der mit den Trends und Details der Biotechnologie und der diversen Firmen kaum Schritt halten kann, empfehlen sich Branchen-Fonds oder Zertifikate als Anlageinstrumente. Ein besonderes Beispiel dafür ist BB Biotech, eine von der Schweizer Bellevue Asset Management geführte Beteiligungsgesellschaft. Sie besitzt Kernbeteiligungen an Branchenstars wie Medimmune, IDEC Pharmaceuticals und Amgen.

Daneben befinden sich aber auch interessante kleinere Unternehmen und zwei bis drei Firmen, die erst vor dem Börsegang stehen, im Portefeuille. Der Beteiligungswert wird täglich auf der Homepage veröffentlicht. Während in der Haussephase 2000 der Aktienkurs um bis zu 30 Prozent über dem Net Asset Value lag, ist die Aktie in den letzten Monaten meist um fünf bis zehn Prozent tiefer an der Börse zu bekommen. Als Investment-Vehikel für kleinere Anleger eignen sich branchenorientierte Fonds. An ihnen ging die Baisse des letzten Jahres natürlich ebenfalls nicht spurlos vorüber. Von den österreichischen Fonds hielt sich dabei der Biotec-Fonds der Erste-Sparinvest mit einem Verlust von 18 Prozent innerhalb der letzten zwölf Monate etwas besser als der Biotech der Capital Invest (-22,4 Prozent). Im gleichen Zeitraum fiel der DJ-Biotechnology-Index um 11,8 Prozent. (dol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 11. 2001)

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