Rückversicherer Staat

30. November 2001, 09:21
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Die Terroranschläge in den USA vom 11. September haben in der Versicherungswirtschaft einen Umdenkprozess eingeleitet. Der Branche, die von und mit Katastrophen lebt, wurde durch den größten Schaden ihrer Geschichte drastisch vor Augen geführt, dass es auch für die Übernahme von Risiken Grenzen gibt.

"Wollten Versicherungen alle denkbaren und undenkbaren Terror-Risiken abdecken, müsste dies zu Prämien führen, die nicht mehr bezahlbar wären", konstatierte der Chef der deutschen Allianz AG, Henning Schulte-Noelle, auf einem Versicherungskongress in Wien und wies damit auf den Kern des Problems hin.

Volkswirtschaftliche Aufgabe der Versicherungswirtschaft ist es, kalkulierbare Unsicherheiten der Zukunft zu vernünftigen Konditionen abzudecken. Nun hat schon die zunehmende Wertekonzentration der letzten Jahre nicht nur die Schadensanfälligkeit der Unternehmen verstärkt, sondern auch das Risiko finanzieller Großschäden überproportional anwachsen lassen. Mit praktisch unkalkulierbaren Risiken, wie sie sich durch Terroranschläge ergeben, wird die Prämiengestaltung aber zum reinen Glücksspiel.

Dass in einer solchen Situation auch marktwirtschaftlich orientierte Unternehmer wie der Allianz-Chef nach dem Staat rufen, ist verständlich. Wenn der Staat aber quasi als Rückversicherer für jene Schäden agieren soll, die die Finanzkraft der Versicherungswirtschaft übersteigen, dann wäre es nur konsequent und aus marktwirtschaftlicher Sicht sogar notwendig, ihn dafür auch zu entlohnen. Eine Art Haftungsprämie wäre also durchaus angebracht. Schließlich kassieren auch Rückversicherer Prämien. (Günter Baburek, Der Standard, Printausgabe, 30.11.01)

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