Studienplätze: Die Guten ins Töpfchen - Martina Salomon

29. November 2001, 19:37
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Knock-out-Prüfung" nannte man 1994 das, was die Universitätsrektoren jetzt als "Notwehrmaßnahme" gegen den Entwurf des Bildungsministeriums zur Uni-Autonomie fordern. Erhard Buseks Idee eines selektiven Examens nach einer Studieneingangsphase von zwei Semestern war wegen des riesigen Entrüstungssturms ganz schnell wieder "knocked out".

Dass die Aufregung - sieben Jahre später - nun weitaus geringer ist, liegt wohl auch an den neuen Studiengebühren: Denn zahlende Kunden erhöhen die Ansprüche an das Unternehmen. Weil die Lehr- und Raumkapazitäten in einigen (Mode-)Studien wie Politologie, Psychologie oder Soziologie geringer als die studentische Nachfrage sind, könnten die Unis später als autonome Einrichtungen mit Gebührenrückforderungen ihrer am Studienfortgang behinderten Hörer konfrontiert sein.

Grundsätzlich ist eine Studieneingangsphase samt erster großer und selektiver Prüfung zu begrüßen. In manchen Studien (ganz abgesehen von künstlerischen Hochschulen, die seit jeher Zugangsbeschränkungen haben) wird das von den Rektoren vorgeschlagene Modell bereits praktiziert. Allerdings ist es keinesfalls überall anwendbar. In manchen Studienrichtungen würden die Hörer nämlich gleich dreifach zum Handkuss kommen: Sie werden für wenig kundenorientierte Einrichtungen zur Kasse gebeten, haben wegen schlechter Studienbedingungen kaum Chancen, sich in das Fach einzuarbeiten, würden aber nach zwei Semestern wegen mangelnder Leistung wieder hinausgeworfen. Das wäre reinste Willkür.

Prinzipiell hatte Busek seinerzeit Recht. Ob das Modell jedoch tatsächlich anwendbar ist, werden die autonomen Universitäten künftig jeweils für sich selbst entscheiden müssen. Gut ausgebildete Absolventen werden ihre beste Visitenkarte sein.

(DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2001)
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