Allianz-Chef regt Poollösung für künftige Terror-Risken an

30. November 2001, 12:52
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Henning Schulte-Noelle fordert verstärktes Engagement des Staates

Wien - Eine Poollösung für künftige Terror-Risken, am besten auf europäischer Ebene, regte der Vorstandschef der Allianz AG Deutschland, Henning Schulte-Noelle, am Donnerstag beim 3. Internationalen Versicherungskongress in Wien an. Danach sollten Versicherungen Terrorschäden nur bis zu einer gewissen Grenze abdecken - alles, was darüber hinausgehe, sei dann Sache der öffentlichen Hand.

Schulte-Noelle wies darauf hin, dass derartige Überlegungen in Deutschland, aber auch in Österreich schon sehr konkret seien. So will der österreichische Versicherungsverband noch heuer dem Finanzminister ein entsprechendes Modell präsentieren.

Britisches Beispiel

In Großbritannien und Spanien, so der Allianz-Chef, existierten bereits derartige Pools. Beide Länder litten seit Jahren unter Terroranschlägen extremer politischer Organisationen (IRA und Eta). In Großbritannien sei dieser Versicherungspool, der seit 1993 existiere, mit drei Mrd. Pfund (66 Mrd. S/4,8 Mrd. EURO) dotiert. Staatliche Hilfe wegen darüber hinausgehender Schäden habe bisher nicht in Anspruch genommen werden müssen.

Auslösendes Moment für die Neuorientierung der Assekuranz seien die Ereignisse vom 11. September gewesen, sagte Schulte-Noelle. Die Terroranschläge in den USA seien mit mindestens 40 Mrd. Dollar (624 Mrd. S) der bisher größte Schadensfall in der Geschichte der Versicherungswirtschaft. Dies sei auch eine völlig neue Dimension des Risikos. Wollten Versicherungen auch in Zukunft alle denkbaren Terror-Risken abdecken, müsste dies zu Prämien führen, die nicht mehr bezahlbar wären. Ein ökonomisch sinnvoller Risikoausgleich könnte dann nicht mehr stattfinden.

Mit einem blauen Auge davongekommen sind bei den Ereignissen vom 11. September die Lebensversicherer. Wie der Chef der Reinsurance Group of America (RGA), Greig A. Woodring, im Rahmen des Kongresses erklärte, sei ursprünglich mit Zahlungen im Ausmaß von zwei bis sechs Mrd. Dollar gerechnet worden. Tatsächlich hätten die Forderungen dann aber weniger als eine Mrd. Dollar ausgemacht, da offenbar viele der Kunden unterversichert gewesen wären.

Insgesamt gesehen hätten durch die Terroranschläge die Schadenszahlungen zwar kräftig zugenommen, die seit Oktober dieses Jahres deutlich höhere Nachfrage nach Lebensversicherungen dürfte diese Ausfälle aber kompensieren. (gb, Der Standard, Printausgabe, 30.11.01)

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