Busek im STANDARD-Interview: "Knock-out-Prüfung war kein Renner"

30. November 2001, 11:15
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Der ehemalige Wissenschaftsminister über sein Scheitern von 1994

1994 scheiterte der damalige Wissenschaftsminister Erhard Busek mit seinem Plan einer kommissionellen Prüfung nach dem zweiten Semester. Die "Knock-out-Prüfung" wurde massiv bekämpft. Jetzt haben die Rektoren dasselbe Modell vorgeschlagen. Busek - jetzt Regierungsbeauftragter für EU-Erweiterung - kritisiert im Gespräch mit Martina Salomon mangelnde Praxisorientierung der Unis.

STANDARD: Waren Sie mit der Idee zu früh dran?

Busek (lacht): Das ist mein Schicksal.

STANDARD: Woher kam damals der Widerstand?

Busek: Die Studenten haben randaliert, und die SPÖ hat sich davon etwas erhofft.

STANDARD: War auch die Universität dagegen?

Busek: Einige Professoren waren dagegen. Die Universität ist ja bis zu einem gewissen Grad ein Kindergarten - das sag' ich in Liebe. Gegen das Ministerium zu sein, gilt als Tugend. Aber ich habe nie ausgeschlossen, dass Menschen gescheiter werden - sogar in der Uni.

STANDARD: Allerdings wird auch jetzt wieder gewarnt, dass die ohnehin niedrige Akademikerquote sinken könnte.

Busek: Wenn die Akademikerquote durch Qualitätssenkung erreicht wird, dann sind es keine Akademiker mehr - das muss man ganz scharf sagen. Möglicherweise bilden wir auch nicht die Akademiker aus, die wir bräuchten.

STANDARD: Welche bräuchten wir?

Busek: Praxisorientiertere. Die Uni geht streckenweise in die falsche Richtung. Die Technischen Unis müssten sich beispielsweise etwas überlegen, weil sie zunehmend durch Fachhochschulen ersetzt werden.

STANDARD: Welche Richtung schlagen Sie vor?

Busek: Sie sollten nachfrageorientierter werden. Man müsste sich mal die zahlreichen Management- und Weiterbildungskurse anschauen, für die die Leute sehr viel zahlen. Das alles gibt es an den Universitäten nicht. Manche, auch so genannte "Orchideenfächer" müssen aber sein, weil sie grundsätzliche Bedeutung für Staat und Gesellschaft haben.

STANDARD: Für Berufsorientierung fühlen sich die Universitäten aber gar nicht zuständig.

Busek: Das ist das alte humboldtsche Bild. Die hohe Studentenzahl hat die Uni verändert.

STANDARD: Ganz etwas anderes: Leiden Sie unter der heimischen Temelín-Debatte?

Busek: Wie ein Hund!

(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 30. 11. 2001)
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