Einmal um die ganze Welt - und das ganz ohne Laptop

30. November 2001, 21:10
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Ryan Adams, Rumänische Blasorchester, Fugazi ...

Von Christian Schachinger

FANFARE CIOCARLIA
Iag Bari

(Piranha/Ixthuluh)
Das rumänische Blasorchester mit dem umgekehrten Düsenantrieb holt zu seinem dritten Schlag aus und entdeckt bei aller Raserei in Schräglage ab sofort, dass den Menschen neben verbeulten Trompeten auch der Gesang gegeben ist. Die österreichischen Publikumslieblinge haben sich dieses Mal illustre Gäste wie Dan Armeanca, den "rumänischen Gottvater des orientalischen Pop" ins Studio geladen. Sie erweitern die Stammbesetzung um Akkordeon oder Geige, lassen aber tempomäßig nur selten eine Gangart unter 120 Beats pro Minute zu. An die CD angeschlossen ist eine Videodokumentation mit dem hübschen wie passenden Titel Iag Bari - Brass On Fire. Grandios!

RYAN ADAMS
Gold

(Lost Highway/Universal)
Der 27-jährige US-Country- und Folk-Rocker hat nach seinem charmanten Solodebüt Heartbreaker, auf dem Genregrößen wie Emmylou Harris oder Gillian Welch gastierten, heuer schon ein ebenso gelungenes Abschiedsalbum mit seiner alten Band Whiskeytown vorgelegt, Pneumonia (beide im Vertrieb von Hoanzl). Sein erstes Album im Vertrieb eines Medienmultis mag zwar etwas belangloser geraten sein als die vorangegangenen Arbeiten. Songs wie New York, New York oder Sylvia Plath belegen aber, dass hier ein großes Talent am Reifen ist. Wer Gram Parsons liebt, den allzu früh dahingegangenen Country-Reformator, der als kurzfristiges Mitglied der Byrds beinahe deren Karriere zerstörte, weil er ihnen den Cowboy-Hut aufsetzte, der wird auch an Adams gefallen finden.

DIVERSE INTERPRETEN
Africa Raps

(Trikont/Hoanzl)
Für Freunde des HipHop ein unerlässlicher Sampler: Die hier versammelten 16 Rapper und HipHop-Crews aus dem Senegal, aus Mali und Gambia beweisen bei höchster Qualität, dass auf dem afrikanischen Kontinent abseits bei uns bekannter Namen wie Fela Kuti, Ali Farka Toure, Habib Koite oder Youssou N'Dour sehr wohl auch die so genannte Moderne wahrgenommen wird. Dass man im Gegensatz zur westlichen Konkurrenz mit ihren ewigen Vierviertel-Beats auch zur sanften Melodik und vertrackten Polyrhythmik afrikanischer Volksmusiken herrlich sprechreimen kann, braucht man hier nicht extra erwähnen. Die pädagogisch mit Abstand wertvollste Kompilation des Jahres. Auch ideal als Gegengift einsetzbar, wenn man der vollkommen unmusikalischen deutschen HipHop-Angeber endlich einmal überdrüssig werden sollte.

FUGAZI
The Argument & 3 Song 7''

(Dischord/Trost: (0043/1/330 01 63)
Die US-Hardcore-Institution aus Washington DC hat sich nach einer kleinen Schaffenspause und dem ruhig gehaltenen Instrumentalalbum Instrument wieder auf die alten Wurzeln besonnen. Neben den bewährten abgestoppten Funk-Riffs während der Strophen wird in den Refrains mit mittlerweile zwei Schlagzeugern zum einen wie zu den goldenen Zeiten von The Waiting Room gebolzt - zum anderen haben sich Ian MacKaye und seine Freunde über die Jahre musikalisch insofern verfeinert, als neben dem üblichen links-agitatorischen Gebrüll zunehmend auch "lyrische" Elemente im Gesang Einzug halten. Das ist nicht als Kritik gemeint. Eine der besten und wichtigsten Bands der letzten eineinhalb Jahrzehnte hat auch 2001 noch einiges zu sagen. Fight on!

THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY
A New Morning

(Burning Heart/Edel)
Party for your right to fight. Schwedischer Garagenrock für die Weltrevolution. Die Gitarre gräbt Akkordfolgen aus dem Rock-Mesozoikum aus, die Orgel quengelt, die Rhythmusgruppe rodet Unkraut. Und der Sänger, Grundgütiger, der ist ganz schön angefressen: "Capitalism stole my virginity!" Geldspenden sind übrigens willkommen. Zur Not auch mit Kreditkarte.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 11. 2001)

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