Frankreich: Kritik an UNO nach Massaker in Srebrenica

29. November 2001, 15:30
posten

Parlamentsbericht beklagt mangelnden politischen Willen des Westens

Paris - Sechseinhalb Jahre nach dem Massaker von Srebrenica hat das französische Parlament Kritik an den Vereinten Nationen und den westlichen Staaten geübt. Das UNO-Konzept der Schutzzonen im Bosnienkrieg sei zum Scheitern verurteilt gewesen, heißt es im Abschlussbericht eines Ausschusses der Nationalversammlung. Frankreich, Großbritannien und den USA habe der politische Wille gefehlt, in Srebrenica einzugreifen.

Die Stadt, in der 150 niederländische Blauhelme stationiert waren, wurde am 11. Juli 1995 von den Truppen der bosnischen Serben eingenommen. Etwa 40.000 Moslems mussten flüchten oder wurden verschleppt, schätzungsweise 8.000 Männer und Jungen ermordet. In dem Bericht heißt es, die UNO hätten nicht richtig reagiert. Die Befehlsketten der UNO-Truppen seien kompliziert und schwerfällig gewesen, sagte der neogaullistische Abgeordnete Rene Andre. Die niederländischen Blauhelme hätten sich zwar in einer furchtbaren Situation befunden. Aber ihr Widerstand sei der Situation nicht angemessen gewesen, erklärte Andre. Die UNO-Soldaten waren von den Truppen des des Generals Ratko Mladic überrannt worden.

Versagen Frankreichs

Das Massaker sei aber auch ein Versagen Frankreichs gewesen, heißt es in dem Bericht weiter. Paris habe nicht alle Mittel eingesetzt, die für ein Gelingen des Bosnieneinsatzes nötig gewesen wären. Der frühere Verteidigungsminister Francois Leotard erinnerte jedoch an die 56 gefallenen französischen Soldaten und versicherte: "Wenn ein europäisches Land sich in dieser Affäre nichts vorzuwerfen hat, dann ist das Frankreich."

Die Schuldigen der "Barbarei" seien die Verantwortlichen der bosnischen Serben, betont der Bericht. Franzosen, Briten und Amerikaner müssten die nötigen Mittel einsetzen, ihrer habhaft zu werden. "Mladic und (Radovan) Karadzic müssen dringend vor das UNO-Kriegsverbrechertribunal gestellt werden", verlangte Leotard. "Das ist eine moralische Verpflichtung." (APA)

Share if you care.