Steirische Aids-Hilfe besorgt: "Thematik wird nicht mehr genügend ernst genommen"

29. November 2001, 16:12
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Kombinationstherapie habe bei vielen Menschen zur Illusion geführt, dass Aids heilbar sei

Graz - Die Aids-Problematik werde von der Öffentlichkeit nicht mehr genügend ernst genommen, warnt die Leiterin der steirischen Aids-Hilfe, Lola Fleck. Die seit 1995 auch in Österreich zur Verfügung stehende Kombinationstherapie habe bei vielen "zur Illusion geführt, dass Aids heilbar ist". Nachlässigkeit im Schutz vor Aids sei allerdings alles andere als angebracht: In der Steiermark habe sich die Zahl der jährlichen Neuinfektionen bei rund 400 eingependelt. Damit habe man den bisherigen Tiefststand mit 297 neuen Fällen im Jahr 1997 weit hinter sich gelassen.

"Wir kämpfen zur Zeit mit einem großen Problem: Aids ist für viele kein Problem mehr", schilderte Fleck die aktuelle Situation in der Steiermark. Mit der Euphorie über die Behandlungsmöglichkeit der Kombinationstherapie schwinde das Thema langsam aus dem Problembewusstsein der Bevölkerung.

Verzögerung, doch keine Heilung

Mit der Therapieform sei ein effizientes Werkzeug gegeben, den Ausbruch der Aids-Erkrankung zu verzögern und die Krankheit besser zu beherrschen, aber sie bringe noch lange keine Heilung, betonte auch Max Kronawetter von der Aids-Station im LKH Graz-West. Die Effizienz konnte der Mediziner auch mit Zahlen belegen: "Vor Einführung der Kombinationstherapie hatten wir ständig acht bis zehn Patienten in ambulanter Behandlung, jetzt sind es im Durchschnitt zwei bis drei". Zur Zeit liege überhaupt kein Patient auf der Station, dafür würden rund 250 in ständiger ambulanter Kontrolle betreut.

Das einzige "Mittel", das nach wie vor am besten vor dem Virus schützt, der vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr in den Körper eindringt, ist das Präservativ: "Das Kondom ist und bleibt die bessere Lösung", so Fleck. Die Versorgung mit Kondomautomaten der Aids-Hilfe, die in den letzten Jahren im öffentlichen Raum aufgestellt wurden, wird in der der Steiermark nun aber dennoch stark zurückgehen. "Die Umstellung auf den Euro zwingt uns, die rund 60 alten Automaten einzuziehen", so Fleck. Allerdings werde man nur zehn neue Automaten kaufen und in Graz aufstellen. Die alten "Kondom-Spender" werden am Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember, von 11.00 bis 16.00 Uhr in den Räumen der Steirischen Aids-Hilfe ausgestellt und an Sammler zum Preis von 500 bis 2.000 Schilling verkauft.

Seit findet der zweitägige 12. Österreichische Aids-Kongress in Graz statt. Neben aktuellen österreichischen Forschungsergebnissen zur Epidemiologie, zur Diagnostik und Therapie sollen unter anderem auch die Thematik "HIV und Frauen" behandelt werden. Der Kongress wird gleichzeitig mit dem "4. HIV - Pflegesymposion" abgehalten, das sich er Problematik "HIV und Schwangerschaft" widmet. (APA)

Der 12. Österreichische Aids-Kongress findet vom 30. November bis 1. Dezember (Beginn: 9.00 Uhr) im Seminarzentrum der KAGes im LSF Graz, Wagner Jauregg-Platz 1, 8053 Graz statt.
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