EU-Beobachtungsstelle kritisiert Bischöfe und FPÖ

29. November 2001, 15:09
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Wegen "Fingerprints" und anti-islamischer Aussagen Krenns und Kapellaris

Wien - Wenige körperliche Angriffe auf Moslems, aber zahlreiche verbale Übergriffe und das Bestreben der Politik, Kapital aus den Folgen des 11. September zu schlagen. So lässt sich das Österreich-Kapitel im Bericht der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) über Anti-Islamische Rekationen in der EU nach den Terroranschlägen in den USA zusammenfassen. Kritik kommt vor allem an der FPÖ sowie an den Bischöfen Kurt Krenn und Egon Kapellari.

Krenn hatte nach den Terroranschlägen eine stärkere Beobachtung des Islam gefordert. Die Religion sei von "einem gewissen Fanatismus und Nationalismus" geprägt und "widerspricht den Menschenrechten", so Krenn. Kapellari nannte den Islam eine "radikale Religion mit einer begrenzten Toleranz". Kritik kommt auch an den Asyl- und Sicherheitspolitischen Forderungen der FPÖ im Gefolge der Terroranschläge (Stichwort: "Fingerprints" für alle).

Wörtlich heißt es im von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erstellten Österreich-Kapitel: "Wenn die Politik weiterhin versucht, Zuwanderungs- und Asylangelegenheiten mit jenen der nationalen oder individuellen Sicherheit zu verschmelzen, wird sich das Klima der Toleranz auflösen. Die Freiheitliche Partei (FPÖ) versucht ein Klima der Angst aufrecht zu erhalten, um das Asylrecht zu verschärfen." Ähnliches wird auch für Deutschland, Italien und Dänemark festgestellt.

Klestil positiv erwähnt

Positiv erwähnt werden dagegen der von Bundespräsident Thomas Klestil initiierte "Dialog der Religionen, Kulturen und Zivilisationen" sowie das Bemühen der islamischen Glaubensgemeinschaft um Diskussion über den Islam. Wie etwa auch in Deutschland, Italien und den Niederlanden gebe es in Österreich interkulturelle Treffen und Diskussionen sowie ein erhöhtes Interesse am Islam. Gleichzeitig bestehe allerdings in allen EU-Staaten eine weit verbreitete "Voreingenommenheit und Feindseligkeit" gegen Minderheiten.

Umgeben von "Zurückhaltung und Misstrauen"

In Österreich seien Moslems von "Zurückhaltung und Misstrauen" umgeben und würden permanent aufgefordert, den Terrorismus zu missbilligen, kritisiert die EUMC. Entsprechend ist in dem Bericht von zahlreichen verbalen Attacken auf Moslems die Rede. Körperliche Attacken sind demnach - wie auch im übrigen EU-Raum - in der Minderzahl. Im Österreich-Bericht ist lediglich von einer einzigen Attacke auf eine Türkin die Rede, die auf offener Straße geschlagen worden sei. Zudem verweist der Bericht auf die Schändung von muslimischen Gräbern am Linzer Stadtfriedhof Anfang Oktober.

Für die 14 untersuchten EU-Staaten (Großbritannien kommt im Bericht nicht vor) bilanziert die EUMC eine "geringe Zahl tätlicher Angriffe". Ausnahmen bilden Dänemark und die Niederlande mit jeweils einer Reihe von auch körperlichen Übergriffen. Ebenfalls gemeinsam ist den untersuchten Staaten ein "großes und erneutes Interesse" an der islamischen Kultur. Gleichzeitig berichtet die EUMC allerdings auch von einer in allen 14 Ländern existenten latenten Islamophobie. (APA)

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