SPÖ-Umbau lässt auf sich warten: Dörflinger-Rückzug auf Abruf

29. November 2001, 16:12
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SP-Landesrat geht erst 2004 zu Leykam - Schachner will spätestens bis März Nachfolge geregelt haben

Graz - Der steirische Gesundheitslandesrat und enge Vertraute von SPÖ-Landeschef Peter Schachner-Blazizek, Günter Dörflinger, zieht sich aus der Politik zurück. Am Donnerstag bestätigte der 44-Jährige, ein Angebot der Leykam Medien AG, ab 2004 in den Vorstand zu wechseln, anzunehmen. Offen ließ Dörflinger, wie lange er in der Regierung bleiben wird; das werde vom neuen Parteivorsitzenden abhängen, der im kommenden Frühjahr gekürt werden wird.

Sowohl Dörflinger als auch Schachner sprachen von einer "schwierigen Entscheidung", die in erster Linie davon getragen sei, die Auseinandersetzung unter den "Lagern" in der steirischen SPÖ zu beenden. Er, Schachner, habe den eigentlich von ihm als Nachfolger vorgesehenen Dörflinger vor zwei Wochen mitgeteilt, dass er ihn nicht vorschlagen werde. "Dörflinger ist ein politisches Talent, um das es mir Leid ist. Ich habe jedoch die Befürchtung, dass er nach dem Parteitag nicht in der Lage ist, die Partei geeint zu führen", erklärte der Vorsitzende. Besagte Mitteilung war nicht nur an Dörflinger, sondern auch an Mitbewerber erfolgt.

Dörflinger meinte, sein Rückzug aus der Politik sei auch ein "Signal" gegen die Form der innerparteilichen Auseinandersetzung, durch die er sich auch persönlich verletzt fühlte: "Ich bin nicht die kalte Nudel, der das wurscht ist". Der genaue Zeitpunkt seines Abgangs werde mit dem neuen oder der neuen Vorsitzenden abzustimmen sein. Dörflinger, der im Leykam-Vorstand dem ehemaligen Finanzlandesrat Hans-Joachim Ressel nachfolgen soll, wies Aussagen zurück, die mehrheitlich in SPÖ-Besitz befindliche Leykam sei quasi ein Ausgedinge für ehemalige sozialdemokratische Landespolitiker: "Ich werde im Bereich Medienpolitik sehr wohl etwas einzubringen haben".

Dass er gehen werde, sei ihm schon am Wahlabend im Oktober 2000 klar gewesen, meinte Schachner zu der Führungsdiskussion. Als politischen Fehler gestehe er ein, den Beschluss der Gremien über den Zeitplan bekannt gemacht zu haben. Jetzt befinde er sich auf Rundtour durch die Bezirke, wo "das Verständnis für einen Neuanfang groß ist." Er, der von den Gremien mit der Unterbreitung des Vorschlags beauftragt worden sei, sehe derzeit drei Möglichkeiten. Namen nannte der SPÖ-Landeschef nicht, bestätigte jedoch, dass der Merkur-Vorstand Franz Voves zu dem Kreis der möglichen Kandidaten gehört: "Eine interessante Möglichkeit". Den Vorschlag für seine Nachfolge will Schachner, der sich deutlich gegen eine Trennung von Vorsitz und Regierungsamt aussprach, rechtzeitig vor dem Parteitag im Juni, also spätestens im März, unterbreiten. (APA)

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