Pool-Lösungen für künftige Terrorrisiken

29. November 2001, 13:50
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Versicherungen fordern staatliche Beiträge

Wien - Analog zu den Forderungen der deutschen Versicherungswirtschaft wird nach den Anschlägen vom 11. September derzeit auch in Österreich eine Beteiligung des Staates bei künftigen eventuellen Terrorschäden im Rahmen einer Pool-Lösung verlangt. Die Details sind noch offen, auch Gespräche mit der Regierung hat es noch nicht gegeben, hieß es am Donnerstag aus dem Versicherungsverband zur APA. Beim Pool-Modell sollen Terrorschäden nur bis zu einer gewissen Grenze von den Assekuranzen bezahlt werden, alles, was darüberhinausgeht soll der Staat tragen.

Im Versicherungsverband wird gerade ein Modell ausgearbeitet, das noch heuer dem Finanzminister präsentiert werden könnte. Vorstellbar sei dabei auch, nicht nur Terrorrisiken, sondern auch Naturkatastrophen in den Pool mit aufzunehmen, so ein Versicherungsmanager zur APA. Die österreichischen Assekuranzen müssten derzeit überlegen, ob angesichts der Vorschläge der Rückversicherer, Terrordeckungen noch möglich seien. In der Versicherungswirtschaft weist man darauf hin, dass es in der Luftfahrt eine rasche Lösung für Haftungsübernahmen gegeben habe.

Versicherungswirtschaft glaubt an "offenes Ohr" der Regierung

Eingebunden werden sollten alle österreichischen Sachversicherer, die bei Terrorschäden eine bestimmte Kapazität zur Verfügung stellen. Bis zu einer weiteren Grenze könnten die Rückversicherer beitragen und für alles weitere der Staat einspringen. Die heimische Versicherungswirtschaft gibt sich optimistisch, dass sie bei der Regierung ein offenes Ohr für ihre Forderungen findet.

Bei der Dotierung solcher Pools müsse es zu einem "Kraftakt" kommen, so Henning Schulte-Noelle, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland, am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Rahmen eines Versicherungskongresses in Wien. 1 Mrd. Euro allein in Deutschland würde wohl nicht ausreichen.

Pool auf europäischer Ebene

Ein Pool auf europäischer Ebene wäre die beste Lösung, so der Allianz-Chef. Damit könnten Wettbewerbsverzerrungen verhindert werden. Ob es allerdings möglich sei, in der EU zu einer Einigung zu kommen, sei derzeit noch offen. In Spanien und Großbritannien gebe es solche Pool-Lösungen bereits. In Großbritannien etwa liege die Deckungskapazität bei 3 Mrd. Pfund (4,81 Euro/66,2 Mrd. S) Euro, wenn dieser Betrag überschritten werde, müsse der Staat einspringen. Diskutiert würden solche Modelle neben Deutschland und Österreich auch in Frankreich.

Nach den Anschlägen in den USA sähen sich die Versicherungswirtschaft mit einer völlig neuen Dimension des Risikos konfrontiert. Auch der Staat müsse zu einer Lösung beitragen. Wollten Versicherungen alle denkbaren und undenkbaren Kriegs- und Terrorrisiken abdecken, müsste dies zu Prämien führen, die "schlicht nicht mehr bezahlbar" wären. Der volkswirtschaftlich sinnvolle Risikoausgleich könnte somit nicht mehr stattfinden. Viele Unternehmen würden sich möglicherweise nicht mehr versichern können.

Schadenvolumen für die Terroranschläge bei 40 Milliarden Dollar

Das weltweite Schadenvolumen für die Terroranschläge vom 11. September, den bisher größten Versicherungsfall, liege bei 40 Mrd. Dollar (45,5 Mrd. Euro/626 Mrd. S). Es stelle sich die Frage, ob Versicherer weitere solche Ereignisse verkraften könnten.

Die Geschäftsstrategie der Allianz werde sich trotz der Schadenszahlungen aus den Anschlägen in Höhe von netto 1,5 Mrd. Euro nicht ändern, so Schulte-Noelle. Ziel sei, weiterhin aus eigener Kraft profitabel zu wachsen. Gleichzeitig bleibe man offen für externe Wachstum. Große Akquisitionen seien derzeit nicht geplant. man habe noch genug damit zu tun, den Kauf der Dresdner Bank zu verdauen. "Es kann aber auch nicht sein, dass wir uns nun zwei bis drei Jahre mit uns selbst beschäftigen".

In den USA boomen derzeit die Lebensversicherungen, so der Vorstandschef und Präsident des US-Versicherers Reinsurance Group of America, Greig Woodring, Zwar hätten die Anschläge vom 11. September zu einer deutlichen Zunahme der Schadenszahlungen geführt, über die kommenden 18 Monate dürfte dies aber durch eine Geschäftsausweitung kompensiert werden können. Auch die Lebensversicherer müssten sich mit einer Neubeurteilung von Risiken auseinandersetzen. Es gebe in dieser Sparte beispielsweise keine Ausschlüsse von Terror und Krieg. (APA)

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