Paschtunen-Kommandeur: 160 Taliban standrechtlich erschossen

30. November 2001, 10:00
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Pentagon: Bericht über Massaker unglaubwürdig

Quetta - Rund 160 Taliban-Kämpfer, die angeblich ihre Kapitulation verweigerten, sind nach Angaben eines Paschtunen-Kommandeurs in der vergangenen Woche bei den Kämpfen um die Stadt Takteh Pol von Paschtunen-Kriegern standrechtlich erschossen worden. Unter den Getöteten sollen sich auch einige Pakistaner befunden haben, wie der Kommandant einer loyal zum früheren Gouverneur von Kandahar, Gul Agha, stehenden Einheit am Mittwoch in Quetta vor Journalisten berichtete. Die Massenexekution, ausgeführt mit leichten Maschinengewehren, habe trotz Protests von mehreren anwesenden US-Soldaten statt gefunden, sagte der Kommandant. Die Organisation Human Rights Watch sprach bereits von einem "ernsten Kriegsverbrechen".

"Sie wurden in einer langen Reihe aufgestellt ..."

Vor dem Angriff auf die strategisch wichtige Ortschaft zwischen Kandahar und der Grenze zu Pakistan hätten die Paschtunen, aber auch einige Stammesälteste, die Taliban mehrfach aufgefordert, sich zu ergeben. Diese hätten jedoch mit Beschimpfungen geantwortet. "Wir exekutierten rund 160 Taliban, die gefangen wurden", sagte der Kommandant. "Sie wurden in einer langen Reihe aufgestellt, und fünf oder sechs unserer Kämpfer setzten leichte Maschinengewehre gegen sie ein." Es seien nur die Taliban getötet worden, die auf die Paschtunen gefeuert hätten. Wer sich ergab, sei verschont worden.

Die Leichen der Exekutierten seien dutzendweise in Gräbern beerdigt worden, fügte er hinzu. Für den Bericht gab es zunächst keine unabhängige Bestätigung. Angeblich hatten die US- Soldaten, die sich der Massentötung vergeblich entgegen gestellt haben sollen, die voran gegangenen Kämpfe gefilmt.

Pentagon: Bericht unglaubwürdig

Die US-Regierung hält Berichte über ein Massaker an mehr als 160 Taliban-Kämpfern im Süden Afghanistans für nicht glaubwürdig. Die US-Streitkräfte hätten die Berichte an Ort und Stelle geprüft, sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke am Donnerstag in Washington. "Wir haben hart gearbeitet, um dem auf dem Grund zu gehen, aber die Berichte sind einfach nicht glaubwürdig", sagte die Sprecherin.

In der Gegend sei nur eine Handvoll Taliban festgenommen worden und die US-Beobachter hätten keinerlei Misshandlung der Gefangenen gemeldet, sagte Clarke. Medien hatten am Vortag berichtet, paschtunische Aufständische hätten 160 Taliban, die sich weigerten aufzugeben, vor den Augen amerikanischer Militärbeobachter umgebracht. (red/APA/Reuters)

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