"Geschichtsschreibung ist eben männlich"

29. November 2001, 13:31
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... Bilanz einer frauenspezifischen Führung durchs Heeresgeschichtliche Museum

Wien - Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien hat anlässlich der internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" eine frauenspezifische Führung organisiert. Anhand von ausgewählte Exponaten sollte die Rolle der Frauen im Heer und im Krieg vermittelt werden. "Sie werden sehen, es gibt wenige Exponate, die mit Frauen im Zusammenhang stehen", erklärte der Leiter der Museumspädagogik, Richard Hufschmied. "Die Geschichtsschreibung ist eben männlich."

Einst

Während des Dreißigjährigen Krieges sind laut Hufschmied Frauen als Marketenderinnen und zur Versorgung der Soldaten eingesetzt worden, wie ein Bild von Peeters Snayers aus dem 17. Jahrhundert dokumentiert. Kaiser Franz Joseph II. erteilte "tapferen Frauen" während des Ersten Weltkrieges Ehrenauszeichnung, die heute im Museum ausgestellt sind. Fotos dokumentieren Frauen während des Zweiten Weltkrieges als Arbeiterinnen in Waffenfabriken und als Mittel der Propaganda. Rund 450.000 Frauen seien im Dienst der Wehrmacht gestanden, so Hufschmied.

Ohne Sonderführung, die am letzten Sonntag dieses Jahres wiederholt werden soll, ist die Darstellung der Frau im Heeresgeschichtlichen Museum jedoch kaum wahrnehmbar. Im Sarajewo-Zimmer, wo der Wagen des 1914 in Sarajewo erschossenen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie ausgestellt ist, hängen einige Originalporträts des Thronfolgers, jedoch kein einziges von Sophie. Hufschmied erklärt, das Museum sei bemüht, auch von Sophie ein Porträt zu finden. Das Museum würde allerdings nur Originalexponate ausstellen.

Diskussion

In der an die Führung anschließenden Diskussion über die Darstellung der Frau im Heer und im Krieg erklärte Museumsdirektor Manfred Rauchensteiner, er würde gerne die Frauendimension verstärkt ins Museum aufnehmen. Doch Themen wie Frauen als Opfer von Gewalt wären anhand von Originalexponaten "schlecht darstellbar". "Ich kann keine vergewaltigte Frau abbilden, das wäre entsetzlich".

Die Kampagne Aktionstage "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" begann am 25. November mit dem internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen, der 1981 proklamiert wurde. Bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wird im Rahmen von unterschiedlichen Veranstaltungen in ganz Österreich sowie in vielen anderen Ländern Gewalt gegen Frauen verstärkt öffentlich thematisiert. (APA)

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